Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

Schleichers letztes Gefecht

Im November 1917 erwägt Kaiser Wilhelm II., fast aller politischer Befugnisse beraubt, sein letztes ihm verbliebenes Mittel, den Oberbefehl über die Reichswehr zum Erhalt der Dynastie einzusetzen. Paul von Hindeburg verweigerte sich dem Kaiser und Groener sagte, wenn jemand die Armee zurück nach Berlin führe, so die Generäle und nicht der Kaiser [1] . Hindenburg veranlaßt Kaiser Wilhelm II. sich in die Niederlande abzusetzen und dient sich an das deutsche Heer in den Dienst der Republik zu stellen.

1924 einigt man sich in Den Haag auf den Dawes Plan. Der Dawes Plan gewährt Deutschland Kredite die zur Zahlung der Reparationen an die Siegermächte verwendet werden. Mit dabei Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht.

1925 wird Hindenburg zum Reichspräsident gewählt.

1932: Hjalmar Schacht und andere, Industrielle und Großgrundbesitzer drängen Hindenburg Hitler zum Kanzler zu berufen (Keppler-Kreis) [2].

Am 19. November 1932 erteilte Hindenburg Hitler einen Regierungsauftrag unter den Bedingungen: Die Mehrheit des Reichstages hinter sich zu bringen, die Wirtschaftspolitik von Papens fortzusetzen, einen dem Reichspräsidenten genehmen Außen- und Wehrminister zu ernennen und ohne Notverordnungen zu regieren. Am 23. Nov. lehnte Hitler ab [3].

Es bleibt bei Papen, den Notverordnungen, Arbeiterunruhen hier und einer NSDAP, deren SA Gewehr bei Fuß stand, dort [4]. Wie seinerzeit Hindenburg Groener vorgeschoben hatte, dem Kaiser klarzumachen, daß die Armee nicht hinter ihm stünde, schob nun Schleicher den Oberstleutnant in der Wehrmachtsabteilung Ott vor, der darlegte: Die Armee ist nicht in der Lage einen durch die Regierung provozierten Bürgerkrieg durchzustehen. Die Notverordnungen des Generalfeldmarschall Reichspräsidenten Hindenburg reduzierten sich auf einen Fetzen wertlosen Papieres [5].

Schleicher ist nicht nur ein rotes Tuch für Hjalmar Schacht, die Schwerindustrie und Rittergutsbesitzer, sondern auch für den Rittergutsbesitzer Hindenburg selbst.

Schleicher erfährt Unterstützung durch die Elektroindustrie (man erinnere sich Rathenaus), durch die Reichswehr (geführt von seinem Freund von Hammerstein) und er verfügt über ein erfolgversprechendes ökonomisches Konzept. General Schleicher übernimmt ein Konzept aus den Reihen der Gewerkschaften (des ADGB) den WTP-Plan (Woytinsky-Tarnow-Baade), die Wirtschaft anzukurbeln und vor allem die Not der Menschen durch von der Reichsbank finanzierte Projekte zu lindern. Das gefällt weder SPD noch KPD.

Hjalmar Schacht und die KPD suchen die Not der Menschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren [6]. Die KPD erhofft sich den Sturz der Kapitalisten und Schacht spekuliert auf die Qualitäten seines Rattenfängers Hitler [7].

Also beruft Hindenburg Schleicher zum Kanzler und verweigert ihm jegliche Rückendeckung. Schleicher nimmt die Herausforderung an. Er hat eine einzige Möglichkeit Hitler zu verhindern: In der NSDAP gärt es nach den Wahlen im Herbst 1932. Schleicher braucht Zeit den Rivalen Hitlers Gregor Straßer soweit aufzubauen über ihn die NSDAP zu sprengen [8].

Sein Gegenspieler Hjalmar Schacht hat genau das Gegenteil vor, den "linksradikalen" Straßer kaltstellen um den "wirtschaftsfreundlichen" Flügel Hitler zu stärken.

Am 6. Januar 1933 empfängt Hindenburg Straßer und am 8. Januar tritt Straßer von seinem Amt als Reichsorganisationsleiter der NSDAP zurück. Am 23. Januar 1933, unterstützt von seinem Kabinett, versucht Schleicher das ihm vom Reichstag drohende Mißtrauensvotum auszuhebeln, was ihm mit der Unterstützung Hindenburgs gelungen sein würde (z.B. indem er die Regierung Schleicher geschäftsführend im Amt belassen hätte) [9].

Hindeburg hintertrieb Schleichers Strategie und wählte das in seinen Augen kleinere Übel: Hitler. Am 30. Januar 1933 steht das Kabinett Hitler: Papen ist Vizekanzler, Schwerin von Krossik Finanzminister. Die Regierung bleibt beinahe unverändert: Blomberg löst als Wehrminister von Schleicher ab [10]. Hitler sorgt anschließend für eine Mehrheit im Reichstag indem er die kommunistischen und sozialdemokratischen Abgeordneten verhaften läßt. Die Notverordnung besorgt er sich, als das Reichstagsgebäude in Flammen aufging.

General Kurt von Schleicher wurde am 30. Januar 1934 im Zuge der durch einen angeblichen Röhm-Putsch veranlaßten Mordserie erschossen. Hindenburg bedankte sich bei Hitler [11].

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Fortsetzung.

Bezüge:

[12] Treue, Wolfgang
Stitzverteilung im Reichstag 1932

NSDAP DNVP DVP Zentrum u. BVP Wirtschaftsp. Demokr. Partei SPD KPD
20.07.1932 230 37 8 98 - 4 133 89
06.11.1932 196 51 11 89 1 2 121 100

[10] Brüning, Heinrich
Reichsregierungen 1932/33

Reichskanzler von Papen pl. von Schleicher pl. Hitler NS
Vizereichskanzler von Papen pl.
Amtsdauer 2.6.1932-3.12.1932 3.12.1932-30.1.1933 30.1.1933
Außenminister von Neurath pl. von Neurath pl. von Neurath pl.
Innenminister von Gayl (DN) Bracht pl. Frick (NS)
Justizminister Gürtner (DN) Gürtner (DN) Gürtner (DN)
Wehrminister von Schleicher pl. von Schleicher pl. von Blomberg pl.
Finanzminister Graf Schwerin-Krosigk pl. Graf Schwerin-Krosigk pl. Graf Schwerin-Krosigk pl.
Wirtschaftsminister Warmbold pl. Warmbold pl. Hugenberg DN
Ernährungsminister von Braun pl. von Braun pl. Hugenberg DN
Arbeitsminister Schäffer pl. Syrup pl. Seldte StH
Postminister Eltz v. Rübenach pl. Eltz v. Rübenach pl. Eltz v. Rübenach pl.
Verkehrsminister Eltz v. Rübenach pl. Eltz v. Rübenach pl. Eltz v. Rübenach pl.
Chef der Reichskanzlei Planck Planck Lammers

pl.-parteilos; NS - Nationalsozialisten; DN - deutschnational

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Quellen:
[ 1] Pyta, Wolfram, Hindenburg.   München 2007 S.369
[ 2] Kopper, Christopher, Hjalmar Schacht München 2006 S. 201f.
[ 3] Pyta, a.a.O. S. 752
[ 4] Thamer, Hans-Ulrich, Der Nationalsozialismus Stuttgart 2002 S.89ff
[ 5] Pyta, a.a.O. S. 764
[ 6] Kopper, Christopher, Hjalmar Schacht München 2006 S. 200
[ 7] Liebig,Gabriele, Das Arbeitsbeschaffungsprogramm des ADGB in Neuen Solidarität 13/20.11.1996
[ 8] Thamer a.a.O. S.92
[ 9] Pyta, a.a.O. S.770
[10] Brüning, Heinrich, Memoiren 1918-1934 Stuttgart 1970 S. 693
[11] Pyta, a.a.O. S. 851
[12] Treue, Wolfgang, Deutsche Parteiprogramme seit 1861. Göttingen 1968 S. 487

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