Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

Gold und Silber lieb ich sehr.

Gold wurde lange Zeit zur Bestimmung des Geldwertes einer Währung verwendet. Ein Pfund Sterling entsprach einer festgesetzten Goldmenge, wie auch die Goldmark einer festgesetzten Menge Goldes entsprach. Damit einhergehend war der Wechselkurs zwischen Pfund Sterling und Goldmark festgelegt. Eine Ausweitung der Geldmenge konnte nur durch eine Ausweitung der Goldmenge erfolgen. Exportierte ein Staat mehr Waren in einen anderen Staat mit goldgedeckter Währung als er importierte, so wandere das Gold in den Staat der den Exportüberschuß erzielte. Dieser besäße somit die Mittel mehr zu importieren, die Handelsbilanz auszugleichen. Unterm Strich sollten so wirtschaftliche Ungleichgewichte vermieden werden. Soweit funktionierte das ganze - vielleicht. Der Goldstandard funktioniert garantiert nicht, wenn das Gold selbst zum Gegenstand der Politik wird.

1914 hoben die am Krieg beteiligten Staaten die Golddeckung ihrer Währungen auf und dehnten die Geldmenge aus, um so die zur Führung des Krieges benötigten Mittel zu gewinnen. Die Leitwährung war bis dahin der Pfund Sterling. Doch die Goldbestände der Bank of England, der französischen und italienischen Banken flossen, den Import von Waffen und Munition finanzierend, in die USA [A]. 1917 traten die USA selbst in den Krieg gegen Deutschland ein. Frische Männer mit frischen Waffen schlugen zwei Fliegen mit einer Klatsche. Das Deutsche Reich wurde besiegt und Frankreich erhielt schon 1919 eine Rechnung für das 1918 in Frankreich zurückgelassene Kriegsgerät in Höhe von über 400 Mio. US-Dollar [1]. Also borgten die USA Frankreich das Geld, mit dem Frankreich diese Rechnung an die USA bezahlen konnte. Für die eigentlichen Waffenlieferungen an Frankreich, schuldete das Land den USA einen weit höheren Betrag. Also legten die USA Frankreich das Messer an die Kehle: Ihr bekommt nur Geld, wenn ihr diese Schulden beglichen habt. Woher sollte Frankreich das Geld nehmen?

Die französisch-amerikanische Freundschaft ging aber noch tiefer. Auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 brachte Wilson Frankreich davon ab, die linksrheinischen Gebiete zu annektieren und die süddeutschen Länder aus dem Deutschen Reich herauszulösen. So mußte sich Frankreich seine im Krieg beschädigte Eitelkeit auf andere Weise aufpolieren d.h. bezahlen lassen und zwar von Deutschland. Die Forderungen der "Friedens"-Konferenz waren von Deutschland nicht zu erfüllen. Wenn es so kommen sollte, wäre es von Frankreich nur legitim, die begehrten Gebiete doch noch zu besetzen. Mit dem mit Wilson vereinbarten Bündnisvertrag zwischen USA und Frankreich konnte sich Frankreich in Sicherheit wiegen. Daß der US-Senat kein Bündnis mit Frankreich wollte, der Vertrag nie inkraft trat, tat der Freundschaft keinen Abbruch [2].

Auf der Londoner Konferenz legten die Siegermächte am 3. März 1921 die von Deutschland zu leistenden Reparationszahlungen fest: 269 Mrd. Goldmark, zu zahlen in 42 Jahresraten. Ein deutscher Gegenvorschlag wird beantwortet, indem die Siegermächte am 8. März Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort besetzen, zudem drohen sie mit der Wiedererrichtung der Hungerblockade [3]. Etwas später ändert die Reparationskommission ihre Forderungen und Deutschland hat nur noch 132 Mrd. Goldmark plus 26% seiner Ausfuhrerlöse zu zahlen. Hinzu kamen noch die Kosten für den Unterhalt der Besatzungstruppen (140 000 Mann)[4]. Das entsprach ca. 47 000 Tonnen Gold, knapp das vierfache der damaligen Goldreserven aller Staaten zusammen genommen [B].

» Es war eine außerordentlich weitschauende und mutige Politik des neuen Kabinetts Wirth, sich für die Annahme dieses Ultimatums einzusetzen. Außenminister Simons hatte auf Veranlassung amerikanischer Besucher den konstruktiven Vorschlag gemacht, daß Deutschland die in den Reparationsforderungen enthaltenen Schulden der Alliierten an die Vereinigten Staaten unmittelbar übernehmen und über den Zahlungsmodus sich mit den Vereinigten Staaten einigen sollte. Tatsächlich waren von 1924 bis 1929 die Reparationsleistungen Deutschlands unter dem Dawes-Plan nur möglich durch große private Anleihen aus den Vereinigten Staaten an die deutsche Industrie und öffentliche Körperschaften [5]

So schaute der deutsche Reichskanzler Wirth im Jahre 1921 in die Zukunft. Deutschland vereinbarte mit Frankreich mangels Geldwert - es herrscht die Hyperinflation - erhöhte Sachleistungen und ärgerte damit England, das seinen Stahl nun nicht mehr an Frankreich verkaufen konnte [6]. Ende 1922 geriet Deutschland mit den Reparationsleistungen in Rückstand und im Januar 1923 marschierten Franzosen und Belgier mit ca. 60000 Mann im Ruhrgebiet ein. Der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré versuchte den Versailler Vertrag zu revidieren und die deutsche Westgrenze nach Osten zu verschieben [7].

Reichskanzler Wilhelm Cuno (Präsident des Übersee-Clubs in Hamburg) ordnet den Ruhrkampf an. Das Kabinett der Wirtschaft ruft zum Streik (gegen die Besatzer) auf. Dieser Streik trifft auch die Herren der Kohle- und Stahlindustrie. Nachdem die SPD Cuno durch ein Mißtrauensantrag gestürzt hatte, einigte sich die Reichsregierung mit den Franzosen und den Kohle- u. Stahlbaronen auf die Gründung einer Rheinischen Notenbank unter französischer Kontrolle. Im selben Jahr tritt Hjalmar Schacht das Amt des Reichswährungskommissars und etwas später das des Reichsbankpräsidenten an. Anlaß war die Einführung der Rentenmark. Im Oktober 1923 entwickelt Schacht das Konzept einer Golddiskontbank und zum Jahreswechsel 1923/1924 reist Schacht nach London. Dort wird er vom Governor der Bank von England Montagu Norman empfangen. Der fragte ihn, was er von der Rheinischen Notenbank hielte. Hjalmar Schacht zeigte sich von den seperatistischen Bestrebungen im Ruhrgebiet nicht begeistert. Am folgenden Tag zeigte Norman Schacht ein Schreiben und bemerkte dazu: »I killed the Rhenish Bank« [8] [9].

Mit Hilfe britischer Kredite baute Schacht die Golddiskontbank auf. Im Gegenzug versicherte Schacht Norman, das brit. Pfund Sterling zur deutschen Leitwährung zu machen. Eine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Einrichtung einer Rheinischen Bank entfiel. Frankreich war düpiert, wenn auch nicht zum letzte Mal. Eine stabile Reichsmark war die Basis zum Abschluß des Dawes-Planes. Die U.S.A. zeigten sich Deutschland von ihrer besten Seite und gaben Deutschland die Kredite, die sie Frankreich vorenthielten.
Nach einer Anschubfinanzierung von 800 Mio. Reichsmark (ca. 19 Milliarden € *)) flossen bis 1929 Gelder aus Krediten und Anleihen in Höhe von über 20 Milliarden Reichsmark (ca. 474 Milliarden € *)) aus den U.S.A. nach Deutschland [10] [11] [12].

*) Die Umrechnung in Euro erfolgte auf Basis des Goldpreises 1924 / 2015  

Die Reichsbank agierte weitgehend unabhängig. Im Dawes-Plan verankert war, daß die Reparationszahlungen die Goldreserven der Bank nicht angreifen durfte und daß kommerzielle Verpflichtungen Vorrang vor den Reparationszahlungen haben. Der von Charles Dawes (USA) geleitete Sachverständigenausschuß setzte einen Reparationsagenten den U.S.-Amerikaner Parker Gilbert ein und hebelten damit die von Frankreich dominierte Reparationskommission aus. Gilbert hatte die deutschen Reparationsleistungen zu überwachen [13]. Zudem übte er für die Siegermächte in der Reichsbank die Funktion eines Controlers aus, überwachte also, ob die Reichsbank solide wirtschaftete. Gilbert erhielt Zugang zu allen Informationen, die er brauchte um feststellen zu können, ob die Höhe der Reparationszahlungen eines Jahres gerechtfertigt war, wie groß die Goldreserve der Bank ist und wie hoch ihre kommerziellen Verbindlichkeiten [14].

Kurz nach Deutschland führte Churchill 1925 den Goldstandard in Großbritannien wieder ein. Das Pfund Sterling wurde allerdings zu hoch bewertet und so floß das Gold in die U.S.A. ab, da dort mit derselben Goldmenge ein höherer Gegenwert zu erzielen war. Die Wirtschaft Großbritanniens rutschte in Rezession und Depression ab. 1926/1928 geht Frankreich zum Goldstandard über, bewertete seine Währung jedoch niedriger, als seiner Wirtschaftskraft angemessen gewesen wäre. Somit floß das brit. Gold auch nach Frankreich ab. Frankreich lebte gut, wenn auch auf Kosten seiner Nachbarn. Ende der 20er Jahre besaßen die U.S.A. und Frankreich 50% der Goldbestände. 1931 mußte England den Goldstandard aufgeben [15].

Deutschland bezahlte die Reparationen mit dem geliehenen Geld. Ende der 20er Jahre wurde deutlich, daß man die fälligen Beträge nicht mehr aufbringen konnte [C]. 1928 wurde in Genf vereinbart eine endgütige Regelung der deutschen Reparationsleistungen zu finden. Owen Young wurde beauftragt, die Reparatonsleistungen neu zu verhandeln. Die deutsche Regierung bestimmte Hjalmar Schacht zum Verhandlungsführer. Schacht verstand seinen Auftrag so, alle an die Siegermächte gegangenen Vermögenswerte in Diskussion zu bringen. Sein Plan lief auf eine weitgehende Revision des Versailler Vertrages hinaus.

Schacht hatte gegen den Verzicht auf das an Polen abgetretene deutsche Staatseigentum in Paris »ausdrücklich Einspruch erhoben und« war »damit durchgedrungen [16] Deswegen staunte er nicht schlecht, als die Regierung Müller (SPD) am 31.10. 1929, in einem Liquidationsabkommen mit Polen, die im Besitz der Familien Hohenzollern und Thurn und Taxis befindlichen, ausgedehnten Ländereien in Westpreußen, gegen Polens Verzicht auf weitergehende Forderungen eintauschte [17]. In Polen selbst, sah man das anders: »Unser Ideal ist, Polen mit den Grenzen an der Oder im Westen und der Neiße in der Lausitz abzurunden und Preußen vom Pregel bis zur Spree einzuverleiben«, schrieb 1930 die Piłsudski nahestehende Zeitung Mocarstwowiec [D] [18].

Schachts Druckmittel auf der Pariser Konferenz waren die erheblichen ausländischen Kredite an Deutschland und die ausländischen Investitionen in die deutsche Industrie. Als zum Verhandlungsauftakt die französische Banken ihre Guthaben auf deutschen Banken in einer konzertierten Aktion abriefen und damit die Mark ins Wanken brachten, forderte Schacht Gilbert auf, mit dem französischen Notenbankpräsidenten Moreau zu reden: »Wenn also nicht umgehend die Maßnahmen der französischen Banken zurückgezogen wird, so werde ich auf der nächsten Konferenzsitzung den französischen Herren meinen Dank aussprechen dafür, daß sie mir einen so schlagenden Beweis für die Undurchführbarkeit des Transfers geliefert haben, den sie für die Reparationzahlungen verlangen.« Am nächsten Tag rief Gilbert Schacht an und unterrichtete ihn davon, daß Moreau ihm versichert habe, daß die franz. Banken die ausgesprochenen Kündigungen zurücknehmen werden [19].

Schacht führte die Verhandlungen u.a. in der Absicht die volle Souveränität Deutschlands zurück zu gewinnen. Um das Reparationsthema endgültig der Politik zu entziehen betrieben Montagu Norman (Bank von England) und Hjalmar Schacht (Deutsche Reichsbank) die Gründung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in der neutralen Schweiz. Dank eines undurchdringbaren juristischen Regelwerkes entzog und entzieht sich auch heute die BIZ jeder politischen Einflußnahme. Die Frage, ob überhaupt noch Reparationen gezahlt werden mußten, wäre zur Angelegenheit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Zentralbank der Zentralbanken, geworden, in der eine kleine Clique selbstgefälliger Bürokraten die Geschicke der Weltwirtschaft bestimmen sollten [20] [E]. Frankreich war düpiert, wenn auch nicht zum letzten Mal.

Am 7.3.1930 tritt Schacht als Reichsbankpräsident zurück [21]. Im Sept. 1930 geht er auf eine längere Vortragsreise in die USA. Am 14. Sept. 1930 verbucht die NSDAP bei den Wahlen zum Reichstag außergewöhnlich hohe Stimmenzuwächse. Im Oktober 1930 wird Brüning Reichskanzler. Kurz darauf behauptet Schacht, die Regierung Brüning habe abgewirtschaftet und werde bald durch eine Regierung aus Deutschnationalen und Nationalsozialisten ersetzt [22]. Im Dez. 1930 trifft, einer Einladung Emil Georg von Stauß (Vorstandmitglied der Deutschen Bank) zum Abendessen folgend, Hjalmar Schacht Hermann Göring. Am 5.1.1931 trifft Schacht bei einem Abendessen im Hause Göring mit Hitler [23]. Brünings Fernziel war eine Verfassungsänderung um letztlich die Monarchie wieder herzustellen. Deshalb betrieb er eine Politik die keine der Parteien rechts von den Kommunisten verprellen durfte. Zunächst plante er aber mit einer zu Massenelend führenden Roßkur den Versailler Vertrag abzuschütteln. In einem mehrstündigen Gespäch versuchte Brüning am 6.10.1930 Hitler zu einer Politik zu bewegen, die dieses Ziel nicht gefährdete.

Hitler diktierte Hanftstaengl den Inhalt der Unterredung mit Brüning zur Niederschrift und läß ihn dem Botschafter der U.S.A. Bericht erstatten: »Brüning habe in einer Aussprache mit Hitler diesen gewinnen wollen für eine Außenpolitik, deren letzter Zweck sei, gemeinsam mit England und Frankreich einen politischen Block gegen die Vereinigten Staaten zu bilden, um diese plötzlich mit der Beseitigung sämtlicher Reparationen und Kriegsschulden zu konfrontieren und sie dadurch in eine schwere wirtschaftliche Krise hineinzutreiben [24]

Die Botschaft der U.S.A. läßt wiederum Brüning darüber informieren, was sie von Hitler erfahren hatte. Brüning schrieb: » Die Streichung der Reparationen sei nur zu erreichen, wenn Präsident Hoover dem emotionalen amerikanischen Volke gleichzeitig die europäische Abrüstung als Gegengabe bringe. Daher sei zunächst eine scheinbar gegen die Vereinigten Staaten erreichte Einigung der europäischen Mächte herbeizufüren, daneben aber im stillen eine ähnliche Einigung auf dem Gebiet der Abrüstung. Der Verdienst, die Abrüstung herbeigeführt zu haben, müsse mit dem Namen des Präsidenten Hoover verknüpft werden, weil es ihm sonst unmöglich wäre das amerikanischen Volk zu einer Streichung der alliierten Kriegsschulden zu bringen... [25] Am 20.6.1931 verkündet der Präsident der Vereinigten Staaten Herbert Hoover ein Moratorium, die Rückzahlungen der Kriegsschulden durch Frankreich, England u.s.w. an die USA werden wie auch die Reperationszahlungen Deutschlands an Frankreich, Belgien u.s.w. wegen der Wirtschaftskrise auf ein Jahr ausgesetzt (Hoover Moratorium). Das Moratorium kam zu spät um eine Welle von Bankenpleiten in Mitteleuropa abzuwenden. 1932 wurde gegen eine abschließende Zahlung von 3 Mrd. Goldmark auf weitere Reparationszahlungen verzichtet [26].

Nach dem 1. Weltkrieg erfuhr die US-Wirtschaft einen erheblichen Aufschwung. Die Waffenexporte lieferten die nötigen Mittel (beim goldgedeckten Dollar ermöglichte der Goldzufluß die Ausweitung der Geldmenge) zur Ausweitung der Produktion und zur Steigerung des Lebensstandards der Bevölkerung. Es entstanden neue, teils langlebige Konsumartikel, die dank einer Steigerung der Produktivität für breite Käuferschichten erschwinglich waren. Die Börsenkurse schossen in die Höhe, der Mittelstand wurde verstärkt ab 1927 durch Investmenttrusts, Werbung und Makler als Kleinanleger gewonnen. US-Präsident Calvin Cooldidge meldet im März 1929: »Die Aktien sind zurzeit billig [27] Kurz darauf stößt Joseph P. Kennedy seine Wertpapiere ab [28] und am 24 Okt. 1929 platzte die Spekulationsblase, die Kurse an der Wallstreet stürzen ins Bodenlose [29].

Während des Krieges versorgten die U.S.A. die Kriegsgegener Deutschlands mit landwirtschaftlichen Produkten. Dank der Innovationen und der Ausweitung der Anbauflächen erwirtschaftete man Rekorderträge. Nach dem Krieg sanken die Exporte nach Europa. Der heimische Markt war zu klein die Überproduktion aufzunehmen. Die Preise für Agrarprodukte sanken [30]. Der einzelne Landwirt nahm Kredite auf, um mit einer Ausweitung seiner Produktion die sinkenden Preise abzufangen. Das führte nicht nur zur Verschärfung der Krise in der Landwirtschaft, es brachte auch viele der Banken in Schwierigkeiten, die den Bauern das Geld geliehen hatten. Zur Katastrophe wandelte sich die Situation ab den 1930er Jahren, in denen der Mittlere Westen von einer langanhaltenden Dürre heimgesucht wurde[31]. Viele Landwirte gingen pleite und damit auch 600 abhängige Banken.

Hjalmar Schacht versprach Hitler der Wehrmacht jede Geldsumme, die von ihr verlangt würde und wurde 1933 erneut zum Reichsbankpräsidenten gewählt. Kurz nach Amtsantritt reist Schacht in die USA und läßt sich von Roosevelt (löste Hoover 1933 im Amt des Präsidenten ab) vorführen. Infolge entwickelt er nicht den New Deal sondern den Neuen Plan, eine ausgeklügelte Politik der Devisenkontrolle, bilateraler Wirtschaftsbeziehungen, der Priorisierung von Schuldnern und der Wechsel [32][33][34]. Er reduziert die Verbindlichkeiten die in Devisen beglichen werden mußten, baute einen auf Verrechnung gegenseitigen Handels begründeten Wirtschaftsraum auf (Süd und Osteuropa), dehnte die Geldmenge durch Wechsel aus und finanzierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen [35] z.B. das Rheinhardt-Programm. Wenige Jahre später hat Deutschland die Wirtschaftskrise überwunden [36][37].

Die USA werten den Dollar um 40% ab, d.h. die Goldmenge die für einen Dollar zu erhalten ist wird geringer [38]. Umgekehrt heißt das, für mein Gold bekomme ich mehr Dollars. Eine für Juni 1933 geplante und von Hoover gebilligte Wirtschaftskonferenz zur Stabilisierung der Wechselkurse wurde von seinem Nachfolger im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten Roosevelt abgesagt [39]. Frankreich wird düpiert sein Gold und das der ihm angeschlossenen Länder fließt in die USA [40]. In den USA werden junge, arbeitslose Männer in militärische geführten, kasernierten Arbeitsbrigaden den Civilian Conversation Corps [41] diszipliniert. Der Privatbesitz von Gold wird verboten [42]. Eine Überprüfung aller Banken der USA wird durchgeführt in deren Folge über 1000 Banken geschlossen werden [43]. Überwunden wird die Krise jedoch erst, als man - quasi mitten im Frieden - 1938 mit der Aufrüstung beginnt [44].

 


Bezüge:

[A] Die Neue Presse aus Wien schreibt am 1.1.1916:
"Ein wahrer Goldregen hat sich über den Ozean nach den Vereinigten Staaten ergossen. ... Die Farmer liefern Brot und Fleisch für die Ernährung der Soldaten, die riesigen Stahlhütten und Fabriken in Amerika Kanonen, Gewehre, Munition für die Fortführung des Krieges an England, Frankreich und Russland. Die Zahlungen für die gewaltigen Bezüge aus den Vereinigten Staaten werden bereits auf zwei Milliarden Dollar geschätzt."

[B] 2013 befinden sich vermutlich rund 153 000 t Gold in Umlauf. Davon dienen ca. 32000 t (1923 ca.12000 t) den Staaten als Goldreserve. Die zehn Staaten mit den größten Goldreserven sind [47]:

Staat Goldreserven in t
U.S.A. 8133
Deutschland 3395
Italien 2451
Frankreich 2435
China 1054
Schweiz 1040
Russland 918
Japan 765
Niederlande 612
Indien 557

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[C] Sich auf das Jahr 1924 beziehend schrieb Hjalmar Schacht: »Es hat noch acht Jahre gedauert, bis die alliierten Politiker einsahen, daß die ganze Reparationspolitik ein wirtschaftlicher Unfug war, der nicht nur Deutschland, sondern auch den alliierten Ländern größten Schaden zufügen mußte. Von den 120 Milliarden, die Deutschland zu zahlen hatte, sind von 1924 bis 1932 etwa zehn bis zwölf Milliarden gezahlt worden. Sie sind bezahlt worden nicht aus Exportüberschüssen Deutschlands, wie es notwendig gewesen wäre. Deutschland hat in diesen acht Jahren Exportüberschüsse niemals erzielt. Sie sind vielmehr bezahlt worden aus dem Erlös der Anleihen, die das Ausland in völliger Verkennung der deutschen Wirtschaftskraft in solcher Fülle über Deutschland ausschüttete, daß es sich im Jahr 1931 herausstellte, daß Deutschland auch die Zinsen auf diese Anleihen nicht mehr zahlen konnte. So folgte schließlich im Jahr 1932 die Konferenz von Lausanne, auf der die Reparationsverpflichtungen praktisch gestrichen wurden[45]

[D] Mocarstwowiec 1930: »We are aware that war between Poland and Germany cannot be avoided. We must systematically and energetically prepare ourselves for this war. The present generation will see that a new victory at Grunwald will be inscribed in the pages of history. But we shall fight this Grunwald in the suburbs of Berlin. Our ideal is to round Poland off with frontiers on the Oder in the West and the Neisse in Lausatia, and to reincorporate Prussia, from the Pregel to the Spree. In this war no prisoners will be taken, there will be no room for humanitarian feelings. We shall surprise the whole world in our war with Germany [18]
 

Józef Klemens Piłsudski: *1867 †1935 Marschall, Präsident und Diktator Polens.

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[E] Hjalmar Schacht kurz bevor er für Hitler Politik betreibt: »Während eines [... ] Spazierganges sah ich auf einer großen Waldblöße etwa 30 Reiher stehen, die sich offenbar über irgendeine bevorstehende Entscheidung lebhaft miteinander berieten, wie ich aus ihren Kopfbewegungen erriet. Plötzlich erhoben sich aus der Mitte vier oder fünf von ihnen, flogen etwa 100 Schritte weiter und traten dort sichtlich zu einer Besprechung im kleinen Kreis zusammen. Sie mußten bald zu einem Ergebnis gekommen sein, denn schon nach einigen Minuten flogen sie zu der großen Menge zurück, gaben ihre Entschließung bekannt, und nun erhob sich der ganze Flug in die Lüfte. Immer, so sagte ich mir, werden es ein paar führende Köpfe sein, die für die große Masse nicht nur denken, sondern auch beschließen und handeln müssen [46]

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Quellen:
[ 1] www.deacademic.com Young-Plan 09.07.2015
[ 2] Pressler, Florian, Die erste Wirtschaftskrise, München 2013, S. 31
[ 3] Kopper, Christopher, Hjalmar Schacht, München 2006, S. 81ff
[ 4] Schultze-Rohnhof, Gerd, 1939 Der Krieg, der viele Väter hatte München 2012, S. 92
[ 5] Brüning, Heinrich, Memoiren 1918-1934, Stuttgart 1970, S. 76

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[ 6] Schacht, Hjalmar, 76 Jahre meines Lebens, Bad Wörishofen 1953, S. 222
[ 7] Scriba, Arnulf, www.dhm.de (Deutsches Historisches Museum Berlin) 02.09.2014

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[ 8] Schacht, Hjalmar, a.a.O., S. 243ff
[ 9] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 81
[10] Pressler, Florian, a.a.O., S. 36
[11] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 74ff
[12] Brüning, Heinrich, a.a.O., S. 77
[13] Pressler, Florian, a.a.O., S. 35
[14] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 127
[15] Pressler, Florian, a.a.O., S. 47f
[16] Schacht, Hjalmar, a.a.O., S. 323
[17] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 161
[18] Bertram de Colonna, Poland from the Inside, London 1939, S. 90

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[19] Schacht, Hjalmar, a.a.O., S. 299f
[20] Löpfe, Philipp, Der exklusivste Club der Welt, Tages-Anzeiger vom 05.08.2013
[21] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 173
[22] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 183
[23] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 188f
[24] Brüning, Heinrich, a.a.O., S. 197
[25] Brüning, Heinrich,a.a.O., S. 194

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[26] Pressler, Florian, a.a.O., S. 137
[27] Pressler, Florian, a.a.O., S. 62
[28] Pressler, Florian, a.a.O., S. 61
[29] Pressler, Florian, a.a.O., S. 51
[30] Pressler, Florian, a.a.O., S. 74
[31] Pressler, Florian, a.a.O., S. 69f
[32] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 260ff
[33] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 249
[34] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 243
[35] Schacht, Hjalmar, a.a.O., S. 399ff
[36] Pressler, Florian, a.a.O., S. 147ff
[37] Pressler, Florian, a.a.O., S. 154ff
[38] Kopper, Christopher, a.a.O., S. 246
[39] Pressler, Florian, a.a.O., S. 95
[40] Pressler, Florian, a.a.O., S. 125
[41] Pressler, Florian, a.a.O., S. 89ff
[42] Pressler, Florian, a.a.O., S. 94
[43] Pressler, Florian, a.a.O., S. 87
[44] Pressler, Florian, a.a.O., S. 178
[45] Schacht, Hjalmar, a.a.O., S. 263f
[46] Schacht, Hjalmar, a.a.O., S. 356f
[47] http://corporatecontrol.de/finanzkrise/goldstandards-1717-1973 Aufgerufen am 09.07.2015

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