Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

Abrüstung für den Krieg

1931 nahm Brüning auf der Genfer Abrüstungskonferenz zw. Deutschland, Großbritannien, den USA und Frankreich teil. Brüning hatte zuvor die SA und SS (offiziell) aufgelöst um seine Sorge um den Frieden glaubhaft zu machen. Nach eigenen Angaben bestanden seine Ziele in der »Streichung der Reperationen, Abrüstung der anderen und Aufrüstung für uns.« Nun hatte der Reichskanzler Brüning in Genf Glück, daß sein Konterpart aus Frankreich Tardieu an der Konferenz nicht teilnahm. Schleicher hatte in Dahlem François-Poncet in Anwesenheit Hammersteins von dem bevorstehenden Sturz der Regierung Brüning unterrichtet. Tardieu drohte Brüning, für den Fall, daß der seine Friedensvorschläge ablehne, Informationen des französischen Geheimdienstes über die heimliche Aufrüstung der Reichswehr publik zu machen. Daß Deutschland aufrüstete mochte ja noch angehen, daran ließ sich verdienen, daß aber Frankreich abrüsten solle machte keinen Sinn. Aber auch Tardieu hatte Glück, denn Albert Thomas, sein Vetreter in Genf, starb an einer Lungenentzündung, kurz bevor er »das Material... mit dem er nachweisen könne, daß die nationalsozialistische Bewegung von der Rüstungsindustrie, vor allem der französischen, auf den Weg über die Schweiz finanziert würde« veröffentlichen konnte.  [1]

Im März 1935 bekam die bis dahin faktisch aus Offizieren und Unteroffizieren bestehende Wehrmacht ihre Soldaten. Unter Bruch des Versailler Vertrages führte man in Deutschland die allgemeine Wehrpflicht ein. Hatten 1923 ausbleibende Holzlieferungen Frankreich veranlaßt, das Rheinland zu besetzen, so blieb die nun offen betriebene Hochrüstung der deutschen Wehrmacht von Protestnoten (für das Volk) abgesehen ohne Sanktionen. U.S.-amerikanisches Kapital floß weiter nach Deutschland, um an der Aufrüstung zu profitieren.

Im Juni 1935 brach auch Großbritannien den Versailler Vertrag und regelte in einem Vertrag mit Deutschland die deutsche Aufrüstung zur See. Hatte man das Flottenprogramm des Kaisers, gedacht die Bündnisfähigkeit des Deutschen Reiches mit Großbritanien zu erhöhen, noch als einen der Gründe zum Eintritt in den Krieg 1914 gegen das Deutsche Reich vorgeschoben, so erlaubte man nun den Bau einer deutschen Kriegsflotte die in Relation zur britischen ( 35% der Tonnage) ähnlich stark sein durfte, wie die des Kaisers.

Im Frühjahr 1936 breitete sich die Wehrmacht auch in der bis dahin entmiltitarisierten Rheinlandzone aus. Frankreichs Reaktion kam prompt: Hjalmar Schacht schloß mit der französischen Regierung einen Vertrag über die Lieferung von Eisenerz und Bauxit (Aluminium für den Flugzeugbau) im Wert von mehreren Milliarden Mark ab. [2]

Im Juli 1936 putschte Franco gegen die gewählte anarchistisch-sozialistische Regierung Spaniens. Deutschland setzte die Legion "Kondor" der Luftwaffe auf Seiten Francos gegen die spanische Republik ein. Italien beteiligte sich mit über 10 000 Mann am Bürgerkrieg. Beide Staaten lieferten Waffen und Munition an Franco. Der Kampf der Spanier gegen die Soldateska Francos führte in Europa und Nordamerika zu einer großen Solidarisierungsbewegung. Zu groß, denn 1937 verabschiedeten die U.S.A. ein Gesetz, nachdem Waffenlieferungen an einen sich im Bürgerkrieg befindlichen Staat verboten wurden. [2]

Im November 1937 kam das Dreiecksbündnis Rom-Berlin-Tokio zustande. Dies auch Kominternpakt genannte Bündnis hatte sich den Kampf gegen die Kommunistische Internationale zum Ziel gesetzt.

Ebenfalls im November 1937 kam es zu deutsch-britischen, wie zu deutsch- französischen Verhandlungen. In ihnen wurde der noch 1931 verhinderte Zusammenschluß [1] von Deutschland und Österreich gebilligt, ebenso die Wiedereingliederung Danzigs und des Memellandes ins Deutsche Reichsgebiet. Gegen die Eingliederung des von deutschen bewohnten Sudentenlandes und die Besetzung der Tschechei werde Großbritannien nichts unternehmen. [2]

Die Bahn auf der Deutschland in den Krieg schlittern sollte, war bereitet.

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Quellen:
[1] Brüning, Heinrich, Memoiren 1918-1934 S.556ff  Stuttgart 1970
[2] Kremer, I. S. in Geschichte der UdSSR S.280ff  Moskau 1977

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