Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

 

Blücher geht.

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Nachdem Blücher seine Aufgabe erfüllt hatte, brachen bei seiner Rückkehr aus Frankreich die, latent schon lange vorhandenen, Erkrankungen auf. Immer wieder mußte er die Heimreise unterbrechen, die ihn u.a. über Aachen nach Koblenz zu Professor Görres, dem Herausgeber des Rheinischen Merkur, führte. Blücher zollte ihm und seiner Zeitung Beifall:
»Schreiben Sie nur immer zu, gegen wen es auch sei, ich nehme alles auf mich; wenn´s nur wahr ist, so mögen Sie alles drucken, aber das sag´ ich Ihnen, wahr muß es sein[ 1]

Selten genug, daß der Rheinische Merkur ein Gedicht abdruckte. Anläßlich Blüchers Rückkehr erschien am 14.12.1815 "Der Rhein an Blücher". Görres verinnerlichte Blüchers Rat, hielt sich an die Wahrheit und so erschien schon am 18. Januar 1816 folgende Nachricht:
 
»Durch eine königliche Kabinetsordre, vom 5. Januar, ist die fernere Herausgabe des Rheinischen Merkurs in den preußischen Staaten untersagt. Die vorräthigen Exemplare sind sofort unter Siegel gelegt, und der Drucker ist verhaftet worden... «

Im November 1815 hatte König Friedrich Willhelm III. den Fürsten Wilhelm Ludwig von Sayn-Wittgenstein zum Polizeipräsidenten gemacht.

Am 18. Dezember traf Blücher unter lebhaftem Zulauf der Bevölkerung in Frankfurt a.M. ein und stieg dort im Gasthaus 'Zum weißen Schwan' ab. Abends vor dem Hotel bei Fackelschein und Militärmusik wurde er mit nicht enden wollenden Hochrufen geehrt, was den ruhebedürftigen Feldmarschall veranlaßte vom Altan aus eine Rede zu halten.
Am 4. Jan. 1816 setzte er seine Heimreise über Kassel und Braunschweig fort und besuchte am 17. den Generalleutnant von Borstell in Magdeburg, um alte Streitigkeiten beizulegen. Am 21. Januar traf Blücher in Berlin ein. Die Erkrankungen und Anstrengungen der Reise hatten den alten Feldmarschall in einer Weise geschwächt, die ihn veranlaßte, alle ihm zugedachten Erhrenbezeugungen abzulehnen. Erst am 25. Jan. konnte er eine städtische Abordnung empfangen und die ihm angetragene Ehrenbürgerschaft der Stadt Berlin annehmen. Dank der Ärzte besserte sich Blüchers Gesundheitszustand wieder. Im März 1816 reiste er auf seine Güter in Schlesien weiter [ 2].

Den Sommer verbrachte Blücher in Karlsbad. Zu den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Sieges bei Belle Alliance wurde er von den in Karlsbad weilenden Preußen eingeladen. Daß der Adel von den Bürgern getrennt zu feiern gedachte erfuhr Blücher erst sehr spät. Also nahm der Fürst von Wahlstatt zuerst an den Feierlichkeiten der Bürger teil. Die auch hier ausgebrachte Mahnung überdauerte die Zeiten nicht:

   »Die Monarchen selbst sind in zwei verhängnisvollen Jahren Augenzeugen der Schrecknisse und Verwüstungen gewesen, die der Krieg unausbleiblich mit sich bringt. Wehe dem Fürsten, wehe dem Volk also, das einen unrechtmäßigen Krieg aus bloßem Ehrgeiz anfängt [ 3]
  

Auf der Feier des Adels erinnerte Blücher die Herrschaften daran, daß im Krieg gegen Napoleon alle Stände teilgenommen hatten. Einer Gedenkfeier, in der sich die Aristokratie absondere, würde er nicht beiwohnen. Somit ward allen preußischen Kurgäste Karlsbads der Zutritt zu den Feierlichkeiten der Aristokratie gewährt und der greise Feldmarschall konnte mit der Prinzessin von Thurn und Taxis den Ball durch eine Polonaise eröffnen [ 4].

In Karlsbad besserte sich Blüchers Gesundheitszustand weiter. Zum Geburstag König Friedrich Wilhelms III. reiste er am 23. Juli nach Berlin, von dort weiter in seine alte Heimat an die Ostsee, wo man ihn mit Huldigungen überhäufte. In Stettin nahm er eine Einladung Hamburgs an, reiste in die Hansestadt an der Elbe weiter und überstand auch hier, die ihm zu Ehren veranstalteten Feierlichkeiten.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der Fürst von Wahlstatt mit Reisen oder am Spieltisch, unterbrochen von Aufenthalten auf seinen Gütern. Ihn beschäftigte das Wohl der Veteranen ebenso wie die Weiterentwicklung der preußischen Kavalerie. Er nahm gelegentlich (seit März 1817 Mitglied) an Sitzungen des Staatsrates teil und übte seine spitze Zunge wenn es sein mußte auch in Latain[ 5]. Über Hardenberg sagte er 1819 gegenüber dem König: »Er sollte wie ich das Buch zumachen und nur höchstens seinem Nachfolger ein guter Ratgeber bleiben«, ein Wunsch, der leider nicht in Erfüllung ging [ 6].

Der Belege sind genug, um sagen zu können, daß Blücher Menschen nicht an ihrem Rang oder Titel maß. Wohl aber war er Monarchist und begriff sich seinen Untergebenen gegenüber als Patron bzw. Vater. Als Kanzler Beyme die Patrimonialgerichte abschaffen wollte argumentierte Blücher, der Fürst von Wahlstatt dagegen: Ein Patron entscheide in dem Dorf in dem er lebt mit seinem Richter die Streitigkeiten, die die Bauern unter sich haben. »Solche Entscheidung hat zum Grunde Versöhnung, Ausgleichung und Vermittelung, und darum werden die Streitsachen in der Regel gütlich beigelegt«. Verhandlungen vor einem städtischen Gericht würden die Kosten für die sich streitenden Parteien in die Höhe treiben und das Urteil keine Versöhnung herbeiführen.

Blücher bergrüßte zunächst die in Deutschland aufkeimende freiheitliche Bewegung, deren, in trübe Wasser ausufernder Verlauf, er jedoch nicht gutheißen konnte. Er fürchtete, daß der Staat den Knifftologen und Geschäftemacher anheim fallen würde [ 7].

Im Spätsommer 1819 wurde Blücher von seinen alten Leiden wieder eingeholt. Der Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide. Aus Berlin eilte sein alter Arzt Bieske nach Krieblowitz und wurde mit den Worten begrüßt: »Sie kommen zum Heilen zu spät; jedoch werden sie meine unerträglichen Schmerzen lindern«.
Der in der Nähe weilende König besuchte - Blüchers Wunsch mißachtent - am 6. Sept. seinen alten Feldherrn. Den aufmunternden Worten des Königs antwortete dieser: »Ich habe mein Gutes genossen, habe zu leben gewusst und weiß auch zu sterben. Ich danke Ew. Maj. für die mir in so hohem Grade gewordenen Wohltaten und das geschenkte Vertrauen und empfehle meine Frau Ew. Majestät Gnade [ 8][ 9]

Am 12. September 1819 um 22:19 Uhr
starb Blücher.

Der König befahl seiner Armee auf 8 Tage Trauer anzulegen [10]. Die Witwe sollte sich bis zu ihrem Tod 1850 der Gunst Friedrich Wilhelms III. wie auch derjenigen des Nachfolgers, Friedrich Wilhelms IV. erfreuen.

Blücher wurde in einem ihm zu Ehren gebauten Mausoleum beigesetzt. Gegen Ende des II. Weltkrieges wurde das Mausoleum geschändet und die Leiche entwendet.

Neben den Ehrungen in Form von Titeln, Gütern und Geld erhielt Blücher das
 
Großkreuz des eisernen Kreuzes mit einem besonderen Stern
Blücherstern
 
verliehen.

»Unser König hat mich einen ganz besonderen Orden gegeben; es ist ein grosser goldener Stern, worauf [in] der Mitte ein eisernes Kreuz angebracht ist; es ist der einzige Orden, der noch existiert. Aber was helfen mich alle Orden! Hätten wir einen guten, vor uns vortheilhaften Frieden, der wäre mir lieber [11]


 

Hinzu kamen weitere Orden und Auszeichnungen...
 

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Quellen:
[ 1] Varnhagen von Ense, Fürst Blücher von Wahlstatt, Wolfenbüttel 2016 (Nachdruck der Originalausgabe von 1912), S. 361f
[ 2] ebd. S. 364f
[ 3] ebd. S. 366
[ 4] Wigger, Friedrich, Feldmarschall Fürst Blücher von Wahlstatt, Schwerin 1892, S. 289
[ 5] ebd. S. 303
[ 6] Bieske, Carl Ludwig, Der Feldmarschall Fürst Gebhard Leberecht Blücher von Wahlstatt, Berlin 1862, S. 38
[ 7] Wigger, Friedrich, a.a.O, S. 289
[ 8] ebd. S. 308
[ 9] Bieske, Carl Ludwig, a.a.O., S. 41f
[10] Wigger, Friedrich, a.a.O., S. 309
[11] ebd. S. 278

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