Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

 

Verkehrte Welt.

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Napoleon floh nach der Schlacht an der Beresina und traf am 18. Dez. 1812 in Paris ein. »Um Mitternacht werde ich in Paris einschlagen wie eine Bombe; am anderen Morgen wird man über meine Rückkehr verblüfft sein; im ganzen Lande wird man dann von nichts anderem sprechen; man wird vergessen, was geschehen ist [1] Damit hatte Napoleon recht. »Deutsche und Polen habe ich totschlagen lassen, 300000 Mann; es waren keine 30000 Franzosen dabei [2]

Zurück nach Paris: Der Moniteur veröffentlicht das 29. Bulletin: »Die Gesundheit seiner Majestät ist niemals besser gewesen [1]

Am 24. Feb. 1813 flieht Napoloens sächsicher Bündnispartner König Friedrich August, nicht ohne vorher den Staatsschatz eingepackt zu haben, von Dresden nach Plauen. Für den russischen General Peter Graf zu Sayn-Wittgenstein Grund genug in einem Aufruf, den Kampf der Sachsen gegen Karl den Großen in Erinnerung rufend, über Friedrich August zu spotten: »Damals hattet ihr auch einen König, er hieß Wittekind, der verließ Euch nicht in der Noth, und rief Euch nicht zu: Ihr solltet ruhig seyn [3]«.

Lassen Sie uns los!

In Breslau ruft Prof. Steffens die Studenten zur Bildung eines Freiwilligenkorps auf [4]. In Berlin versorgt Fichte die Jugend mit dem nötigen Kriegspathos. In Königsberg reihen sich die Studenten in Yorcks Armee ein. Aus der Festung Kolberg fleht General Borstel: »Ich bitte Eure Majestät fußfällig, lassen Sie uns los [5] Rekrutierungsbüros werden eingerichtet. Ausländische Studenten aus Göttingen, Halle und Jena ziehen nach Breslau und melden sich bei den freiwilligen Jägern und dem Lützowschen Freikorps. Behörden werden geschlossen, weil sich ihre Beamten zur Landwehr melden. Handwerker, Banken, Bauern, einzelne Männer und Frauen brachten die Mittel auf, das Freiwilligenheer auszurüsten. Schlegel: »So spotte jeder der Gefahr, die Freiheit ruft uns allen; so will's das Recht, und es bleibt wahr, wie auch die Lose fallen.«
Am 5. Jan. 1813 schrieb Blücher an Scharnhorst: »Mich juckts in alle Finger, den Säbel zu ergreifen. Wenn es jetzt nicht Sr. Majestät unseres Königs und aller übrigen deutschen Fürsten und der ganzen Nation Führnehmen ist, alles Schelmfranzosenzeug mitsammt dem Bonaparte und all seinem ganzen Anhang vom deutschen Boden weg zu vertillgen: so scheint mich, daß kein deutscher Mann mehr des deutschen Namens werth sei. Jetzo ist es wiederum die Zeit zu duhn, was ich schon Anno 9 angerathen, nämlich die ganze Nation zu den Waffen anzurufen, und wann die Fürsten nicht wollten und sich dem entgegensetzten, sie sammt dem Bonaparte wegzujagen. Denn nicht nur Preußen allein, sondern das ganze deutsche Vaterland muß wiederum heraufgebracht und die Nation hergestellt werden [6]   Blücher, 1812 von Friedrich Wilhelm III. auf Drängen Napoleons entlassen, weil er ohne hierzu die Erlaubnis erhalten zu haben, Soldaten aushob um sie für den Kampf gegen Napoleon auszubilden, wurde reaktiviert [7].

Am 11. März 1813 erreicht die russische Armee unter General Wittgenstein zusammen mit ostpreußischen und pommerschen Verbänden unter dem Kommando von Yorck, Bülow und Borstel Berlin. Am 27. März 1813 übergibt in Paris der russische General von Krusenmark die preußische Kriegserklärung [ 8]. Am 5. April schlagen die verbündeten russischen und preußischen Armeen die Franzosen bei Möckern und rücken bis Dessau vor. Blücher zieht mit seinen schlesischen und märkischen Regimentern, unterstützt von einem russischen Korps unter Wintzingerode, über Dresden nach Altenburg. Die russische Hauptarmee unter Kutusow-Smolenskoj rückt im Hintergrund nach [ 9].

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. läßt den König von Sachsen wissen: »Ew. Majestät wird es übrigens nicht befremden, daß ich die Landestheile (den kottbuser Kreis) wieder in Besitz nehme, die ein ungerechter gegen mich nicht einmal gehaltner Friedenstractat mir abzwang und Ihnen zuwendete [10]

Napoleon läßt indes ein neues Heer aufzustellen (250000 Mann). Der Anteil der Franzosen unter ihnen war angewachsen und das Alter der fremdländischen Soldaten drastisch gesunken. Die ersten 100000 Mann, seine Rheinarmee, führte er selbst nach Sachsen und vereinigte sie dort mit den in Preußen verbliebenen, unter dem Befehl des ital. Vizekönigs stehenden, Truppen. Damit verfügte er über 144000 Mann, davon 7500 Reiter und über 372 Geschütze [11]. Am Vormittag des 2. Mai erreichen Napoleons Spitzen die Stadtgrenze von Leipzig und werden dort vom preußischen Korps Kleist angegriffen.

Die Schlachten bei Großgörschen und Bautzen.

Napoleons Garde stand bei Lützen, das Corps Ney (45000) bei Großgörschen. Napoleon eilt nach Leipzig, das Gefecht mit Kleist zu beobachten. Auf Befehl des obersten Befehlshabers, des russischen Generals Graf Wittgenstein, nimmt Blüchers Artillerie Punkt 12 die in Großgörschen lagernden Franzosen unter Beschuß [12][13].

Eine heftige Schlacht entbrennt. Die Preußen, Veteranen und freiwillige Jäger, kämpfen mit Leib und Seele. Ney wird aus Görschen hinausgeworfen. Der aus Leipzig zurückgeeilte Napoleon bemerkt: »Diese Tiere haben etwas gelernt [A]«. Nach und nach gelingt es Napoleon sein gesamtes Heer in die Schlacht zu führen, während die Preußen die Unterstützung durch die russischen Hauptstreitmacht vermissen. Prinz Leopold von Hessen-Homburg fällt.
Preußen wirft seine Reserven in die Schlacht. Um 15:30 Uhr eröffnet das Corps Yorck das zweite Treffen. Blücher wird verwundet und wird von Scharnhorst ersetzt. Gegen 17:30 trifft endlich die russische Verstärkung ein [14][15].

Um 19:00 bricht die Dunkelheit herein. Scharnhorst wird von einer Kugel ins Bein getroffen. Der russische Oberbefehlshaber befiehlt den Rückzug. Blücher, der, trotz seiner Verwundung, auf dem Lützener Schlachtfeld zugange war, schäumt vor Wut: »Schämen sollen sich die, die das Wort Rückzug in den Mund genommen! Soll alles Preußenblut für nichts geflossen sein? Ich will die Feinde noch in dieser Nacht zusammenhaun!«   Kurz darauf steigt Blücher, den Arm in der Binde, erneut in den Sattel und greift, mit 12 Schwadronen, der von Oberst Dolffs befehligten Reserve, Napoleons Garde an.

Während des Gefechts wird Blücher dreimal getroffen und das Pferd unter ihm weggeschossen. 200 Meter trennten Napoleon, sammt Stab vor dem Zugriff Blüchers [15]. Ein Schock, der dem Empereur mächtig in die Glieder fahren sollte.
In einem Brief an seine Frau schreibt Blücher: »Was vor nachricht du auch erhälst, so sey ruhig, den ob ich gleich 3 kugell erhalten und auch ein Pferd erschossen, so ist doch alles nicht gefährlich, und ich bin und bleibe in volliger tetigkeit. Satisfaction habe ich genug, den ich habe den HEern Napoleon zwey mahl angegriffen und beide mahl geworften.« Der Brief endet: » ...gott mit dich, ich habe einen Schuß im Rücken, der mich sehr schmerzt, die kugell bring ich dich mit [16]
 
Bei Großgörschen verloren die Preußen 8000 Mann, die Russen 2000 und Napoleon 15000 Mann [17].

Das preußisch-rußische Heer zog sich nach Osten zurück, um für den nächsten Waffengang, die in ihre Reihen gerissenen Lücken zu schließen. Auch Napoleon verstärkte seine Streitmacht. Der Hauptteil seiner Armee, die Boberarmee sollte nach Breslau ziehen und Ney mit der Armée Berlin nach Berlin. In der Nähe von Bautzen wurde Ney zum Kampf gestellt. Jedoch mußte sich auch hier das Heer der Verbündeten nach heftigen Kämpfen wieder zurückziehen. Sie hatten ca. 11000 Mann verloren, der Sieger 25000.

Napoleon läßt die sich zurückziehende russisch-preußische Armee durch die Division Maison verfolgen. Für Blücher und Gneisenau ein gefundenes Fressen. Als Marschall Vorwärts (Blücher) die Franzosen nahen sah, setzte er eigenmächtig die schwere Kavallerie in Bewegung: »Jungens vorwärts« Die Division Maison wurde bei Haynau niedergeritten. Die Gefangennahme von 400 Franzosen und die erbeuteten 18 Geschütze, versetzten den alten Haudegen in einen Frohsinn, der durch den eifersüchtigen russischen General Barcley die entscheidende Würze erhielt. Barclays Eitelkeit wurde wenige Tage später aufpoliert, als er Wittgenstein als Oberbefehlshaber ablöste, um die russische Armee, hinter die Weichsel zurückzunehmen [18].

Metternich legt die Schlinge aus.

Der bei Großgörschen schwer verwundet vom Schlachtfeld getragene Scharnhorst wartete seine Genesung nicht ab, in Zittau halb verarztet, läßt er sich nach Prag schleppen, um mit Österreich über ein Bündnis zu verhandeln. Am 28. Juni 1813 erlag der Vater der neuen Preußischen Armee, Generalmajor Gerhard von Scharnhorst in Prag den Spätfolgen seiner Verwundung.

Blücher: »Lieber eine Schlacht verlieren als Scharnhorst.«

Eisernes Kreuz

Anfang Mai sollte auch ein anderer nach Prag reisen. Der sächsische König von Napoleons Gnaden, Friedrich August hatte jüngst erfahren müssen, daß ein französischer Marschall mehr in Sachsen zu sagen hatte, als der sächsische König [19]. Metternich suchte Österreich wieder ins Spiel um die Macht in Europa zu bringen und verhandelte mit Rußland, Preußen und Sachsen. Preußen und Rußland hatten zwei Schlachten verloren, Napoleon war es jedoch nicht gelungen, den Krieg für sich zu entscheiden. Hinter den Kulissen trat Österreich der Allianz gegen Napoleon bei, auf der Bühne jedoch spielte es den Vermittler und übermittelte Napoleon ein Waffenstillstandsangebot - nicht ohne den Hintergedanken, selbst die Zeit zu nutzen, um ein neues Heer aufzustellen [B]. Der französische Kaiser war von seinem schnell, zusammengewürfelten Heer wenig begeistert. Auch er brauchte Zeit, die Kampfkraft seines Heeres zu verstärken und stimmte dem Waffenstillstandsangebot zu. Der König von Sachsen, unfähig die Zeichen der Zeit zu deuten, bekam Angst vor seiner eigenen Courage und unterwarf sich reumütig dem Franzosen [20].

Für das russische Heer bedeutete dies, daß mit dem Waffenstillstand die Notwendigkeit eines Rückzug hinter die Weichsel entfiel [21]. In Prag schlug man mit substanzlosen Verhandlungen die Zeit tot, um kurz vor Ablauf des Waffenstillstandes, am 8. Aug. 1813, Napoleon ein Ultimatum zu stellen, das so abgefaßt war (Rückzug hinter den Rhein), daß der Kaiser es ablehnen mußte. Preußen war von Metternichs Aufrichtigkeit dermaßen überzeugt, daß kein geringerer als Wilhelm von Humboldt den Boten, der dem in Dresden weilenden Napoleon die Kriegserklärung überbringen sollte, begleitete [22]. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Aufrüstung.

Vor Leipzig traten die Heere Rußlands, Preußens, Schwedens und Österreichs gegen das Heer Napoleons an. Auch England schickte Soldaten, wenn auch die des ehemaligen Kfsm. Hannover. Davon abgesehen zahlte es Preußen 13,5 Mio., Schweden 20 Mio., Rußland 40 Mio. Mark. Allein Preußen mußte sich die großzügige Unterstützung der Briten durch Aufgabe von Gebietsansprüchen erkaufen [23].

Von den 5 Mio. Einwohnern Preußens standen Ende 1813 300000 unter Waffen. Preußens Staat, Bevölkerung und Armee verschmolzen zu einer nie zuvor wie danach erreichten Einheit. Wenn die Preußische Armee trotz der geringen Unterstützung durch die Verbündeten in den bevorstehenden Schlachten das Geschehen bestimmte, so lag das an seinen Soldaten, der Landwehr, den Freikorps, am Offizierskorps und an Blücher. Gemeinsam gewannen sie den Respekt vor allem der russischen Verbündeten. Die Haltung dieser preußischen Offiziere sollte bis zum legendären Dekabristenaufstand und darüberhinaus in Rußland nachklingen [24][25].

Die Verbündeten gliederten ihre Streitkräfte in drei Armeen:

Nordarmee
Der nunmehr schwedische Kronprinz Karl Johann, ehedem Marschall Bernadote (Napoleon über ihn: "Er scharrt nur ungeduldig mit den Vorderhufen [C].") befehligte die Nordarmee. 154000 Mann aus Rußland und Schweden; Preußen beteiligte sich mit den Korps Bülow und Tauentzien
Böhmische Armee
Befehlshaber der Böhmischen Armee war Schwarzenberg (Borkowsky über Schwarzenberg: "Graf Schwarzenberg selbst war kein Feldherr von Gottesgnaden") 237000 Mann aus Rußland und Österreich; Preußen beteiligte sich mit dem Korps Kleist
Schlesische Armee
Dank Scharnhorsts Führsprache wurde Blücher (Arndt über Blücher: "und in den Augen da konnten die Götter wohnen") zum Befehlshaber der Schlesischen Armee. 95000 Mann aus Preußen (Korps Yorck) und Rußland (die Korps Sacken und Langeron).

Dank Österreichs Beteiligung und Metternichs Genie wurde ein dilettantischer Schlachtplan vereinbart: Die Armee, die angegriffen wird flieht und macht so den beiden anderen Mut ihr zu Hilfe zu eilen [26].

Die Nordarmee.

Napoleons Strategie fußte darauf, daß die Armee Oudinot (75000 Mann) die Nordarmee schlägt und Berlin besetzt. Sein Gegner Bernadotte tat alles, um ihn dabei zu unterstützen (war zur Preisgabe Berlins bereit), fand jedoch bei Tauentzien und Bülow keine Gegenliebe. Oudinot war auf zwei Meilen an Berlin herangekommen, als er am 23. Aug. nahe Blankenburg vom preußischen Korps Tauentzien gestoppt wurde. Bülow griff in die Schlacht ein und entschied sie zu Preußens Gunsten. Die schwedischen und russischen Teile der Armee schonten derweil ihre Kräfte. Oudinot zog sich, ohne befürchten zu müssen, von Bernadotte verfolgt zu werden, mit den Resten seiner Armee nach Wittenberg zurück [27].
Oudinot hatte versagt. Nun sollte es Marschall Ney richten und mit zusätzlichen Kräften Berlin nehmen. Und wieder glänzte Bernadotte durch Nichtstun (il ne fera que piaffer). Diesmal griff Tauentzien die Franzosen nahe Dennewitz an. Bülow kam hinzu. Es entspann sich eine bittere Schlacht, in der die Preußen ausbluteten. Russen und Schweden sahen zu, bis General Borstell der Kragen platzte und er mit einem Teil des russischen Korps in den Kampf eingriff.
Tauentzien, Bülow und Borstell fügten der französischen Armée Berlin Verluste in Höhe von 22000 Mann zu, 53 Geschütze und vier Fahnen wurden erbeutet. Ney zog sich mit einer demoralisierten, durch die wachsende Zahl Fahnenflüchtiger geschwächten, Armee bei Torgau hinter die Elbe zurück [28].

Die Schlesische Armee.

Napoleon selbst wendete sich mit seiner Boberarmee von Görlitz aus der kleinsten der drei gegenerischen Armeen zu: Der von Blücher geführten Schlesischen Armee. Bei Löwenberg (30 km östl. von Görlitz) entspann sich das erste Gefecht. Blücher zog sich vor den weit überlegenen Franzosen, gemäß Schlachtplan, zurück. Napoleon setzte nach, mußte aber sein Vorhaben aufgeben, als Schwarzenberg von Böhmen aus auf Dresden marschierte. Napoleon führte seine Garde und das Corps Mormont nach Westen. Die verbliebenen 75000 Mann unterstellte er Macdonald (Napoleon über Macdonald: "Er ist gut, er ist tapfer - aber er hat kein Glück"). Macdonald sollte Blüchers Schlesische Armee hinter Jauer (50 km westl. von Breslau) zurückdrängen, um ihr so die Möglichkeit zu nehmen, sich mit den beiden anderen Armeen zu vereinen [29].

Nachdem Napoleon abgezogen war, machte Blücher kehrt und stellte sich am 26. Aug. kurzentschlossen Macdonald südl. von Liegnitz. Der Plan sah vor, die Franzosen auf dem linken Ufer der Katzbach zu schlagen. Nun hatte schon ein Teil von ihnen die Katzbach überschritten. Das hieß, entweder den Angriff auf die Franzosen abblasen oder den Schlachtplan ändern. Die Franzosen zogen gegen Eichholz. Noch bevor Blüchers Befehl, die strategisch wichtige Anhöhe bei Eichholz zu besetzen, bei Sacken eintraf, hatte dieser seine Geschütze schon dort platziert. Aufgrund des schlechten, regnerischen Wetters, blieb das Vorgehen der Preußen und Russen von den Franzosen lange Zeit unbemerkt. Hinzu kam, daß sich die Flüsschen in reißende Ströme verwandelten und immer mehr Übergänge unpassierbar wurden.

Die Franzosen, die den Hang am Flußufer der Wüthenden Neisse empor klommen, wurden von Sackens Artillerie unter Feuer genommen. Danach fiel die preußische Infanterie über die Franzosen her. Durch den heftigen Regen war das Pulver weitgehend naß und damit unbrauchbar geworden. Mit Gewehrkolben und Bajonett machten die Preußen den Feind nieder. Die Kavallerie beider Lager fuhr dazwischen. Das Gemetzel wurde unüberschaubar. Nach heftigem Kampf drängten die Preußen und das russische Korps Sacken die Franzosen an das Flußufer zurück, um sie anschließend die Böschung hinunter, in den Fluß zu werfen.

Graf Langeron, war lange Zeit überzeugt, Blücher würde sich gemäß einer veralteten Absprache zurückziehen, hatte bereits 100 seiner 130 Geschütze abziehen lassen, als ihm General Lauriston auf den Leib ging. Sein Corps geriet in ernste Schwierigkeiten, die nur dank der Unterstützung anderer Truppenteile überwunden werden konnten [30]. Macdonald floh, Blücher setzte nach. Erst nach 40 km wagte es der Franzose Halt zu machen, und die Reste seiner Armee zu begutachten.

Blücher bemerkte nach der Schlacht am Katzbach trocken: »Na, Gneisenau, die Schlacht haben wir gewonnen, das kann uns die ganze Welt nicht abstreiten; aber jetzt laßt uns mal dran denken, was wir klugerweise zusammenbringen, um den Leuten zu sagen wie wir sie gewonnen haben [31]

 
Seinen Soldaten meldete Blücher im Armeebefehl vom 1. Sept. 1813 förmlich:
 
Schlesien ist vom Feind befreit;
103 Kanonen, 250 Munitionswagen,
1 Divisionsgeneral, 2 Brigadegeneräle, 18000 Gefangene,
2 Adler und andere Trophäen sind in euren Händen.
 
Gneisenaus Gratulation zur gewonnenen Schlacht quittierte Blücher mit den Worten: »Ja, die hab ich gewonnen; aber wo bleibt die Verpflegung [32]

Die Schlacht von Dresden.

Schwarzenberg marschierte mit seiner Böhmischen Armee über Freiberg und Zschopau nach Dresden. Napoleon wähnte er auf dem Weg nach Berlin und war nicht wenig überrascht vor Dresden auf den Kaiser zu treffen. Es regnete in Strömen als Schwarzenberg am 26.8. zum Angriff blasen ließ. Die Gewehre versagten, die Kanonen versanken im Schlamm und die Kavallerie versank im Morast. Die verteidigenden Franzosen in und vor Dresden hatten aufgrund ihrer besseren Stellung, wie Führung keine Mühe die, um 50000 Mann überlegene, Böhmische Armee abzuwehren und am folgenden Tag zum Angriff überzugehen. Die Böhmische Armee zog sich in drei Kolonnen übers Erzgbierge zurück. Napoleon suchte ihnen den Rückzug abzuschneiden, übertrug aber schon am 28.8. Marschall Vandamme das Kommando und kehrte nach Dresden zurück.

Vor der Schlacht von Dresden soll Napoleon gesagt haben: Es kann ihnen den Feldzug kosten, wenn sie mich jetzt angreifen. Schwarzenberg mußte einen Verlust von knapp 40000 Mann (18000 tot und 20000 gefangen) verbuchen. Die Rettung vor dem Untergang seiner Armee verdankt er zwei russischen Divisionen die unter dem Kommando des Herzogs Eugen von Württemberg standen. Württemberg trieb die überlegenen Franzosen nach Kulm und Nollendorf zurück. Kleist hörte den Lärm der Schlacht und führte das westlich von den Russen marschierende Preußische Korps heran. Marschall Vandamme wurde geschlagen und samt Infanterie inklusive 82 Kanonen gefangen [33]. Kleist verdiente sich damit den Ehrennamen Kleist von Nollendorf.

Napoleon hatte die Schlacht von Dresden gewonnen, unterm Strich aber in den Kämpfen der letzten Wochen 80000 Mann verloren. Die Hauptstreitmacht der Allianz, die Böhmische Armee unter Schwarzenberg, hatte allen Anlaß an ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Niemand hatte ein Interesse auf ein nächstes Treffen. Niemand?
Einer schon! Nach gut vier Wochen des Nichtstuns überdrüssig blies Marschall Blücher eigenmächtig (Kriegsrat halte ich nicht!) zum Jagen [34]. Sein Ziel war es sich mit der Nordarmee zu vereinen und Napoleon in den Rücken wie in die Flanke zu fallen, um ihm die Verbindung zu den Rheinbundstaaten und zu Frankreich abzuschneiden. Eine Nachricht über sein Vorhaben an Bülow (Kommandeur des Preußischen Korps in der Nordarmee) beantwortete dieser so: »Sehr erfreut über die Annäherung Eurer Excellenz, hoffe ich, daß es uns nun gelingen wird, den Kronprinzen von Schweden, diesen Charlatan, zu mehr Tätigkeit zu bewegen. Sind es politische, oder sind es andere Gründe - kurz, des Kronprinzen System ist Nichtstun [35]

Yorck von Wartenburg.

Die Schlesische Armee zog die Schwarze Elster entlang bis zur Elbe, überquerte die Elbe südlich von Wittenberg und machte sich am 3. Okt. bereit, das 15000 Mann starke Korps Bertrand (bestehend aus Franzosen, Italienern und Württembergern) aus Wartenburg und Bleddin zu werfen. Prinz Karl von Mecklenburg eröffnete das Gefecht, Yorck mit seinen Brigaden folgte und erfocht sich so seinen Ehrennahmen Yorck von Wartenburg. Die Russen Langerons hielten sich bedeckt.
Bernadotte überquerte mit seiner Nordarmee die Elbe über die Dessauer Brücke bei Roßlau, um sie mit der Schlesischen Armee Blüchers zu vereinen [36][37].

Napoleon bereitete sich derweil auf die nächste Schlacht vor. Von ihr erwartete er sich den entscheidenden Sieg über die verbündeten Armeen Preußens, Rußlands und Österreichs. Diese Schlacht sollte als die Völkerschlacht bei Leipzig in die Geschichte eingehen.

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Bezüge:

[A] Zitat nach Borkowsky, a.a.O., S. 241: »Ces animaux ont appris quelque chose.«
[B]
Wilhelm von Humboldt am 21.05.1813 aus Wien an Scharnhorst: » ... Meiner Ansicht nach steht die Sache kurz so: Österreich, der Kaiser und sein Minister, ist gewiß und ganz aufrichtig gut für die Alliierten, vorzüglich für Preußen, gesinnt. Es will sich mit uns verbinden, wenn es zum Kriege kommt; es will auch zum Kriege kommen, wenn der Kaiser Napoleon nicht in vernünftige Friedensunterhandlungen eingehen will. Über diese Friedensunterhandlungen hat man sich schon zum Teil mit den Alliierten verständigt und tut es noch....
Über die Zeit des hiesigen Losschlagens weiß ich nur folgendes: Ich glaube nicht, daß die Armee, mit allem versehen, vor dem 10. - 15. Juni über die Grenze gehen kann. Im ganzen ist auch die Meinung hier, daß man sich nicht eher, als bis die Armee ausrücken kann, feindlich erklären will
[38]
[C] Zitat nach Borkowsky, a.a.O., S. 264: »Il ne fera que piaffer.«

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Quellen:
[ 1] Borkowsky, Ernst, Deutscher Frühling 1813, Berlin 1912, S. 192
[ 2] ebd. S. 183
[ 3] Platthaus, Andreas, 1813 Völkerschlacht und Ende der alten Welt Hamburg 2013, S. 80f
[ 4] Borkowsky, Ernst, a.a.O., S. 213
[ 5] ebd. S. 208
[ 6] Hrsg.: Capelle, Wilhelm, Blüchers Briefe, Leipzig 191?, S. 40f
[ 7] Platthaus, Andreas, a.a.O., S. 100
[ 8] Borkowsky, Ernst, a.a.O., S. 211
[ 9] Borkowsky, Ernst, a.a.O., S. 236
[10] Platthaus, Andreas, a.a.O., S. 82
[11] Borkowsky, Ernst, a.a.O. S. 237

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[12] www.scharnhorstkomitee.de/html/2__mai_1813.html, Aufgerufen am 11.06.2016
[13] Borkowsky, Ernst, a.a.O., S. 239
[14] Borkowsky, Ernst, a.a.O., S. 241
[15] www.scharnhorstkomitee.de, a.a.O.
[16] Capelle, Wilhelm a.a.O., S. 41
[17] Borkowsky, Ernst a.a.O., S. 244
[18] ebd. S. 248

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[19] Platthaus, Andreas, a.a.O., S. 84
[20] Platthaus, Andreas, a.a.O., S. 86
[21] Borkowsky, Ernst a.a.O., S. 252
[22] ebd. S. 259

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[23] ebd. S. 262
[24] Rath, Martin, Als Schwören noch geholfen hatte, 26.12.2015
[25] Traub, Rainer, Träume von einer besseren Welt in Spiegel Geschichte 1/2012 S.78ff
[26] Borkowsky, Ernst a.a.O., S. 269

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[27] ebd. S. 272
[28] ebd. S. 274
[29] ebd. S. 276ff

[30] Wittje, G., Die wichtigsten Schlachten, Belagerungen und beschanzten Lager vom Jahre 1708 bis 1855, Leipzig/Heidelberg 1861, S. 173ff
[31] Varnhagen von Ense, Fürst Blücher von Wahlstatt, Wolfenbüttel 2016, S. 145

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[32] Borkowsky, Ernst a.a.O., S. 278
[33] ebd. S. 280ff
[34] Varnhagen von Ense,a.a.O., S. 155
[35] Borkowsky, Ernst a.a.O., S. 283
[36] ebd. S. 286

[37] Varnhagen von Ense a.a.O., S. 159f
[38] Freese, Rudolf, Wilhelm von Humboldt - Sein Leben und Wirken, 1953, S. 698

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