Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

Schleswig 1864.

National und liberal.

Die konservative Regierung in Dänemark bemühte sich eine Regelung zu finden, Dänemark eine Verfassung, Schleswig-Holstein ungeteilt zu erhalten sowie Holstein und Lauenburg im Deutschen Bund zu belassen. Eine neue 1855 in deutsch und dänisch abgefaßte Verfassung sah einen Reichsrat vor, in den Schleswig, Holstein und Lauenburg einerseits sowie Dänemark ohne Schleswig andererseits Vertreter entsenden sollten. Da Schleswig-Holstein-Lauenburg nur eine beratende Funktion zugebilligt wurde, lehnte die holsteinischen Ständeversammlung und der deutsche Bundestag die neue dänische Verfassung ab.

Von deutscher wie dänischer Seite kam es zu dem Vorschlag Schleswig zu teilen, was aber von der betroffenen Bevölkerung abgelehnt wurde. Die konservative Regierung Dänemarks wurde von der nationalliberalen Regierung abgelöst [ 1].

König Friedrich VII. von Dänemark verkündet im März 1863 das sog. März-Patent, nachdem eine neue Gesamtstaatsverfassung ohne Billigung der Stände der Herzogtümer erlassen werden sollte, d.h. Schleswig würde dem dänischen Staat einverleibt [ 2].

Am 9. Juli forderte der Deutsche Bund Dänemark zur Rücknahme des Patents auf. Friedrich VII. inspiziert die neuen Verteidigungsanlagen und das dänische Parlament verabschiedet am 13.11.1863 die neue Verfassung und verstößt damit eindeutig gegen die Londoner Protokolle von 1852. Am 15.11.1863 stirbt König Friedrich VII. Der neue dänische Herzog König Christian IX. weigerte sich zunächst die Verfassung zu unterzeichnen, eindringlich warnt er sogar vor dem drohenden Krieg, doch vergebens. Die Nationalliberalen wußten es besser, schüchterten den noch unerfahrenen Christian ein, der dem Druck nachgebend die Novemberverfassung unterschrieb und ihr damit Rechtsgültigkeit verschuf. Der deutsche Bundestag entscheidet mit einer Stimme Mehrheit militärisch einzugreifen und entsendet ein 12000 Mann starkes Heer nach Holstein [ 6]. Vor dem Hintergrund heranrückender Bundestruppen, nimmt König Christian IX. am 6. Dez. das für Holstein erlassene Patent zurück [ 3].

Der Tod Friedrichs VII. gab dem nationalliberalen Prinzen Friedrich von Holstein-Augustenburg die Gelegenheit Anspruch auf die Herzogtümer Schleswig und Holstein zu erheben. Er hatte nie die Londoner Verträge anerkannt und vermutlich die drei Millionen Thaler, die sein Vater Christian von Holstein-Augustenburg für den Thronverzicht erhielt, nie gesehen [ 4].

Bismarcks Gesellenstück.

Bismarck ärgerte sich über die nationalliberalen Aufstände generell und hier machte er keinen Unterschied zwischen Deutschen und Dänen: »... wir haben nicht nachhaltiger Kraft genug, um sie in falscher Front und für Phrasen und Augustenburg zu verpuffen. Sie überschätzen die ganze dänische Frage und lassen sich dadurch blenden, daß dieselbe das allgemeine Feldgeschrei der Demokratie geworden ist, die über das Sprachrohr von Presse und Vereinen disponirt und diese an sich mittelmäßige Frage zum Moussiren bringt[ 5]

Otto von Bismarck dachte nach und suchte die Probleme in der Weise zu kombinieren, nach der sie sich gegenseitig aufzuheben vermochten [ 7].

Die Probleme mit dem preußischen Landtag eskalierten. Ein außenpolitischer Erfolg, der noch dazu im diametralen Widerspruch zu dessen Politik erlangt würde, konnte Bismarck neue Handlungsspielräume eröffnen.

Zu weit lehnte sich der preuß. Landtag aus dem Fenster, als es um die Finanzierung der militärischen Opperationen zur Durchsetzung der Londoner Protokolle ging: In einer Adresse an den König verurteilte der Landtag Bismarcks Beharren auf den Londoner Verträgen und warnte vor dessen Politik, »welche das Land auf lange Zeit zu schädigen droht. Denn nach dem System des Ministeriums müssen wir fürchten, daß in seinen [Bismarcks] Händen die begehrten Mittel nicht im Interesse der Herzogtümer und Deutschlands, nicht zum Nutzen der Krone und des Landes verwendet werden dürften[ 8] Der Landtag blockierte jede Anleihe des Staates, in der Hoffnung konstitutionelle Zugeständnisse abzupressen. Der Berliner Bankier Bleichröder sondierte für Bismarck Möglichkeiten, die, für einen Krieg nötigen, Gelder zu beschaffen.

Bismarcks Ziel war die Gründung eines deutschen Nationalstaates in dem Preußen Österreichs Vormachtstellung übernehmen sollte. Der preußische Vorschlag zur Reform des Deutschen Bundes, indem Österreich neben Preußen eine führende Rolle zugekommen wäre, lehnten die Österreicher ab, wohlwissend, daß sie als Weltmacht längst abgewirtschaftet hatten, was angesichts des Streites um den Handelsvertrag mit Frankreich deutlich geworden sein sollte und 1865 sogar den Referenten im österreichischen Finanzministerium, die Bismarck die Notiz zukommen ließen, »daß Österreich infolge der Kreditlosigkeit des Staates zeitweilig seine Großmachtstellung aufgeben müsse [ 9]« auffiel.

Dennoch mußte er mit Österreich gemeinsam vorgehen, da die deutschen Klein- und Mittelstaaten Friedrich von Holstein-Augustenburg unterstützten und von ihm, als Herzog eines neuen Bundesstaates Schleswig-Holstein, eine Stärkung ihrer Position erwarteten.

Schleswig aus Dänemark herauszulösen konnte unmöglich gefordert werden, da man damit ebenfalls die durch die Londoner Protokolle gegebene Rechtsgrundlage verließ und ein Eingreifen der pro-dänischen eingestellten brit. Regierung unter Premierminister Russell und Außenminister Palmerston provozierte [10].

Ein Krieg gegen Dänemark konnte daher nur mit Österreichs Hilfe, unter Umgehung des Deutschen Bundes, mit dem Ziel geführt werden, Dänemark zur Respektierung der Londoner Protokolle zu zwingen.

Der Krieg um Schleswig.

Im 31. Januar 1864 forderte der Befehlshaber der preußisch-österreichischen Verbände in einer Note an den dänischen General de Meza, sich mit seinen Einheiten aus dem Herzogtum Schleswig zurückzuziehen. De Meza lehnte ab und am 1. Febr. überschritten Österreicher und Preußen die schleswigsche Grenze. Das Herzogtum Schleswig umfaßte das Gebiet zwischen Kolding und Kiel (die schleswigsche Südgrenze verlief einige Kilometer nördlich von Kiel). Die dänische Verteidigung stützte sich auf die neu errichteten Befestigungsanlagen: Danewerk (Danevirke) südl. der Stadt Schleswig (Slesvig), Düppel (Dybbøl) westl. von Sonderburg (Sønderborg) und Fredericia [11].

Die Österreicher gingen frontal gegen das Danewerk vor und besetzten am 3. Febr. einige Stellungen beim Königshügel (Kongshøi), die Preußen versuchten am 2. Febr. bei Missunde über die Schlei zu gehen, wurden aber zurückgeschlagen. Der Plan die dänischen Truppen einzuschließen und ihren Rückzug nach Düppel zu verhindern wurde nicht umgesetzt. Die Dänen gaben ohne weiter bedrängt zu werden das Danewerk auf [12].

Ein Teil des preuß. Heeres rückte nun auf Düppel vor und belagerte es. Der andere ging gemeinsam mit den österreichischen Verbänden bis an Schleswigs Nordgrenze nahe Kolding vor. Auch Kolding das jenseits der Grenze in Jütland (Jylland) lag, wurde von den dänischen Truppen kampflos geräumt. Man hätte annehmen können, daß die österreichisch-preußischen Truppen verleitet werden sollten die jütländische Grenze zu überschreiten in der Hoffnung, England käme den Dänen zu Hilfe. Preußische Einheiten rückten in Kolding ein. Ende Februar lud England zu einer Konferenz am 25. April 1864 nach London [13]. Im März einigten sich Preußen und Österreich darauf, notfalls in Jütland einzurücken.

Vor Beginn der Londoner Konferenz mußte Preußen einen eindeutigen militärischen Erfolg erzielt haben, um gegenüber Dänemark aus einer Position der Stärke heraus verhandeln zu können. Der alte bisher wenig erfolgreich Wrangel wurde abgelöst und der Angriff auf die Düppeler Befestigungsanlagen beschloßen. Dänemark begriff nun langsam, daß es sich selbst verteidigen mußte.

Preußen schaffte schwere Geschütze herbei die am 15. März von der Halbinsel Broacker aus begannen, die Düppeler Schanzen unter Beschuß zu nehmen. Am Morgen des 18. April schoß die preuß. Artillerie aus allen Rohren. Punkt 10.00 Uhr wurde der Artilleriebeschuß eingestellt und zum Sturm auf die dänischen Schanzen übergegangen. Um 14.00 Uhr war die Schlacht vorbei. 1700 Dänen waren tot oder verwundet, 3000 gingen in Gefangenschaft. Einem Großteil der Dänen gelang es sich nach Alsen abzusetzen. Preußen hatte 1200 Tote und Verwundete zu beklagen [14][15].

Der englische Kompromiß.

An der London Friedenskonferenz vom 20. April nahmen Russland, Großbritannien, Frankreich, Österreich, Preußen, der Deutsche Bund, Schweden-Norwegen und Dänemark teil. Ziel war es eine Regelung zu finden, den Konflikt um Schleswig friedlich beilegen zu können. Voraussetzung sollte der ab dem 12. Mai gültge Waffenstillstand sein. Den Vorschlag Schleswig aus Dänemark herauszulösen, um es, zu einem Staat mit Holstein vereint, vom dänischen König, als Herzog von Schleswig-Holstein, in Personalunion regieren zu lassen, wurde abgelehnt [16].

Die Teilung Schleswigs beschäftigte nun mit Vorang die Geister der Diplomaten. Dänemarks Schmerzgrenze wurde bei Festlegung der Südgrenze des Herzogtums Schleswig erreicht, die kurz vor der Stadt Schleswig verlaufen sollte, während Preußens äußerster Vorschlag in einer Grenzlinie bestand, die von Flensburg über Tønder und dann in südwestlicher Richtung zur Nordsee verlief, was in etwa der Sprachgrenze entsprach. Der englische Kompromißvorschlag bestand darin, den Grenzverlauf auf der halben Distanz zwischen der von Dänemark und der von Preußen vorgeschlagenen Grenzlinie festzulegen [17][18].

Der dänische Staatsrat lehnte den Kompromißvorschlag am 20. Juni ab, überließ aber die endgültige Entscheidung König Christian IX., der sich, im Hinblick auf den Druck der Öffentlichkeit, gegen den Kompromiß aussprach. Nach Ablauf des Waffenstillstandes setzten die Preußen in Ruderbooten auf die Insel Alsen über, was das dänische Panzerschiff Rolf Krake auf den Plan rief, wodurch, ein Übersetzen weiterer preußischer Soldaten verhindert wurde. Da jedoch die bereits auf Alsen gelandeten Preußen die Dänen in erhebliche Schwierigkeiten brachten, mußte Rolf Krake aus dem Alsensund abgezogen werden, die Evakuierung der dänischen Armee sicher zu stellen. Weitere preußische Soldaten setzten über und besetzten die Insel. Die Österreicher eroberten Jütland. In Kopenhagen brach Panik aus. Christian IX. entließ am 8. Juli die nationalliberale zugunsten einer konservativen Regierung, die er mit der Aufnahme von Friedensverhandlungen beauftragte. Am 20. Juli wurde ein Waffenstillstand geschlossen [19].

Auf der in Wien stattfindenden Friedenskonferenz verhandelten Österreich, Preußen und Dänemark. Ergebnis: Der dänische König verzichtet auf all seine Rechte an Schleswig, Holstein und Lauenburg zugunsten des Kaisers von Österreich und des Königs von Preußen [20][21].

 
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Quellen:
 
[ 1] Adriansen/Christensen, Der Zweite Schleswigsche Krieg 1864, Museum Sønderjylland - Sønderborg Slot und Tøjhusmuseet 2013, S. 5
[ 2] Bruners, Jan, Bismarcks Außenpolitik bis zur Reichsgründung, www.eden.one, aufgerufen am 03. Aug 2017
[ 3] Trinius, August, Geschichte der Einigungskriege: 1864. 1866. 1870/71. 1. Teil, Berlin 1885, S. 35
[ 4] Trinius, August, a.a.O., S. 37
[ 5] Bismarck, Otto von, Gedanken und Erinnerungen, Stuttgart 1959, S. 281
[ 6] Clarck, Christopher, a.a.O., S. 600
[ 7] Stern, Fritz, Gold und Eisen, München, 2008, S. 75
[ 8] zit. nach Stern, Fritz, a.a.O., S. 74
[ 9] zit. nach Stern, Fritz, a.a.O., S. 104
[10] Bruners, Jan, a.a.O.
[11] Adriansen/Christensen, a.a.O., S. 6f
[12] ebd. S. 11f
[13] Gall, Lothar, Bismarck, Berlin 2008, S. 358
[14] Adriansen/Christensen, a.a.O., S. 17f
[15] Clarck, Christopher, a.a.O., S. 603f
[16] Gall, Lothar, a.a.O., S. 358
[17] ebd. S. 362
[18] Adriansen/Christensen, a.a.O., S. 21
[19] ebd. S. 23
[20] Gall, Lothar, a.a.O., S. 363
[21] Adriansen/Christensen, a.a.O., S. 24

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