Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

Der Kaiser im Nahen Osten.

Am 12.10.1898 brach Kaiser Wilhelm II. in Begleitung von etwa 700 Personen zu einer Nahost-Reise auf, die ihn nach Istanbul, Jerusalem und Damaskus führte. Das Unternehmen wurde von der Londoner Firma Cook & Co organisiert [1].

Schon bevor der Kaiser abreiste erschienen in einzelnen Zeitungen Karrikaturen und Schmähgedichte, diese Reise ins Lächerliche zu ziehen. Die Reise habe keinen Zweck bzw. sei alleine einem narzistischen Verlangen des Kaisers nach Selbstinszenierung geschuldet [2].

Im Deutschen Reich Bismarcks verband man mit der Außenpolitik selten Vorstellungen, die über reine militärische Zweckbündnisse hinausgingen. Der Kaiser sagte einmal, Bismarck sei wie ein riesiger Stein im Außenministerium gewesen. Ihn hinweg gerollt, wimmele es nur noch von üblem Gewürm, womit er die Orientierungslosigkeit der Diplomatie im Zeitalter des Imperialismus zum Ausdruck bringen wollte,

Deutschland hatte die Bedeutung seiner Position in der Welt noch nicht erkannt. Persönlich war der Kaiser ein tief religiöser Mensch und daher am Besuch der heiligen Stätten in Jerusalem interessiert, als Kaiser sah er sich in der Rolle eines weltlichen Herrschers zur Verteidigung des Glaubens, als Innenpolitiker trachtete er danach, die konfessionelle Teilung Deutschlands zu lindern, außenpolitisch ging es ihm um eine Stärkung des Osmanischen Reiches, das von Briten, Franzosen, Russen und und Italiener längst aufgeteilt war.

Kaiser Wilhelm II. wurde von Sultan Abdul Hamid II. außergewöhnlich freundlich empfangen. Ihm zu Ehren wurde am Yildiz Kiosk eine Parade veranstaltet. Der Sultan ließ Bilder von Vater und Großvater des Kaisers sowie von Feldmarschall Moltke aufhängen, um sein besonderes Interesse an engen Beziehungen zum Deutschen Reich zu bekunden [3].

Die beiden Herrscher vereinbarten einen Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag, sowie die Fortsetzung des unter großen Widrigkeiten stehenden Baus der Bagdadbahn. Zur Erinnerung an seinen Besuch in Istanbul ließ der Kaiser dort in der Nähe der Blauen Moschee einen nach eigenen Entwürfen gefertigten Brunnen, den Deutschen Brunnen bauen [3].

In Palästina gewährt Kaiser Wilhelm II. Theodor Herzl eine Audienz. Dieser übergab ihm Unterlagen zu den jüdischen Siedlungen und erhoffte sich die Unterstützung des Kaisers. Kaiser Wilheml II. zeigte sich sehr beeindruckt und verwendete sich persönlich dafür, die Zustimmung des Sultans zum Bau der jüdischen Siedlungen zu erhalten. Was ihm nicht gelang [4][5].

Der deutsche Kaiser besuchte die heiligen Stätten von Christen, Juden und Muslimen, u.a. die Omar Moschee. »Droben führte der Vorsteher der Moschee die Majestäten noch auf die Kanzel des Felsendomes hinauf, wo ein kolossaler, wie immer bei den Mohammedanern mit der Hand geschriebener Koran, ein Meisterwerk arabischer Kalligraphie zu sehen war, der auch die lebhafte Bewunderung der Majestäten fand [6]

In Jerusalem weihte Kaiser Wilhelm II. eine protestantische und eine katholische Kirche ein. Sie wurden errichtet auf Grundstücken, die ihm vom Kalifen zu diesem Zweck geschenkt wurden [3].

Letzte Etappe der Reise des Kaisers war Damaskus. Am Grabe des Sultan Salahuddin (Saladin) versicherte er den Muslimen: »Möge der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, die, auf der Erde zerstreut lebend, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird [3]

Das Oberhaupt der Ulema der damaligen islamischen Welt, Schaikh Abdullah Effendi antwortete mit einem Bittgebet, in dem er »namens der Welt des Islam den Segen Allahs auf den Kaiser, das Deutsche Reich und alle Deutschen herabrief [7]

Diese Palästinareise stiftete, wie keine zweite über alle Glaubensgrenzen hinweg freundschaftliche Gefühle zwischen den Völkern.

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Quellen:
[1] Graichen, Gisela/Gründer Horst, Deutsche Kolonien, Berlin 2007 S.241
[2] ebd.: S. 242f.
[3] Gross, Ahmad, Kaiser Wilhelm II. - Deutschland und der Islam, http://www.ansar.de 2008
[4] Graichen/Gründer, a.a.O. S.249
[5] Krause Landt, Andreas, Das Eisenband um Orient und Okzident - Eine kleine Geschichte der Bagdadbahn, Veröffentlicht auf http://preussen.de, aufgerufen am 10.11.2016
[6] Schneller, Ludwig, Die Kaiserfahrt durchs Heilige Land, Leipzig 1899, S. 198 zit. nach Ahmad Gross
[7] ebd.: S. 249

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