Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

 

Servus Österreich?

Kein Zollverein mit Österreich.

1862 steht der Zollverein unter Führung Preußens vor dem Abschluß eines Handelsvertrages mit Frankreich, der zu einer erheblichen Senkung der Zölle führen sollte. Da Österreich und der Zollverein sich im Handel seit 1853 die Meistbegünstigung gewähren, fürchtet die wenig wettbewerbsfähige österreichische Wirtschaft die französische Konkurrenz und fordert den Rest des Deutschen Bundes dazu auf, eine Handelspolitik zu betreiben die auf die österreichischen Verhältnisse und nicht auf die des übrigen Deutschlands abstellt [ 1].

Metternich bereits 1833 an Kaiser Franz I.: »In dem großen Bundesverein [dem deutschen Bund] entsteht ein kleinerer Nebenbund [Zollverein]..., welcher nur zu bald sich daran gewöhnen wird, seine Zwecke mit seinen Mitteln in erster Linie zu verfolgen und die Bundeszwecke und Bundesmittel nur in zweiter Linie, insofern sie mit den ersteren sich vereinbaren lassen, zu berücksichtigen. Nach und nach werden die Vereinsstaaten unter tätiger preußischer Leitung und bei den sich notwendig bildenden gemeinsamen Interessen in einem mehr oder weniger kompakten Körper zusammenfließen, welcher bei jeder am Bundestage zur Verhandlung kommenden Frage nach gemeinschaftlich verabredeten Grundsätzen vorangehen und in demselben Sinne abstimmen wird ... Mit allen Künsten diplomatischer Tätigkeit, mit allen Verlockungen durch materielle Interessen wird daher in der Zukunft Preußen dahin streben, an den seinem System verschriebenen Höfen den Einfluss Österreichs zu schwächen, ... Österreich endlich als das, was es in kommerzieller Beziehung allen diesen Staaten gegenüber allerdings bereits ist, ... als Ausland Ansehen zu machen[ 2]«.

Österreich bot an, wesentliche Teile der Vereinbarungen des Zollvereins zu übernehmen, wenn im Gegenzug der Handelsvertrag mit Frankreich unter der Federführung von Österreich und Preußen neu verhandelt werde. Preußen lehnte ab a.) weil mit Österreich nur ein Teil des Habsburgereiches gemeint sein konnte, d.h. die Zollgrenze zu Ungarn, dem Balkan etc. stünde - wenn überhaupt - allein unter Österreichs Kontrolle, b.) weil man Frankreich nicht vor den Kopf stoßen wollte und c.) sah man keinen Sinn darin die eigene wirtschaftliche Dynamik dem österreichischen Feudalismus zu opfern.

Preußen schafft vollendete Tatsachen, das Abgeordnetenhaus nimmt am 27.7.1862 den Vertrag mit überwältigender Mehrheit und das Herrenhaus am 1.8.1862 einstimmig an. Österreich mobilisiert die alte antipreußische Koalition im Zollverein: Bayern, Württemberg, Hannover, Nassau und das Ghzm. Hessen lehnen den Vertrag mit Frankreich ab. Preußen stellt den Zollverein infrage und man überläß die Behandlung des Themas dem Deutschen Handelstag. Die Wirtschaft hat das Wort und entscheidet sich nicht einmal unbedingt gegen Österreich, wenn er zu dem Schluß kommt, daß die Hebung des österreichischen Wirtschaftsniveaus Voraussetzung zum Fall der Zollgrenzen gegenüber dem Zollverein wäre. Der Handelsvertrag mit Frankreich wird umgesetzt [ 3] [ 4].

Keine Reform des Deutschen Bundes.

Im Sommer 1863 unternahm Österreichs Regierung unter Führung von Anton von Schmerling einen weiteren Vorstoß, seine Vormacht in Deutschland zurück zu gewinnen und lud zur Fürstenversammlung nach Frankfurt am Main. Wozu, das sollten die Teilnehmer an der Versammlung erst einen Tag vor Beginn erfahren.

Preußens König Wilhelm lehnte eine Teilnahme ab. Nun erhielt er Besuch von seinem sächsischen Kollegen König Johann und läßt sich zur Teilnahme am Frankfurter Fürstentag bewegen. Bismarck tobt, ob dieser Blauäugigkeit des preußischen Königs, und droht mit einem Rücktritt. Etwas später schreibt Wilhelm I., daß er einen Entschluß über die geplanten Änderungen im Deutschen Bund erst fassen könne, »wenn durch geschäftsmäßige Bearbeitung der Angelegenheit von Seiten Meiner Räte die zu erörternden Abänderungen der Bundesverfassung, in ihrem Verhältnisse zu der berechtigten Machtstellung Preußens und zu den berechtigten Interessen der Nation, eingehend geprüft sein werden. Ich bin es Meinem Lande und der Sache Deutschlands schuldig vor einer solchen Prüfung der einschlägigen Fragen keine Mich bindenden Erklärungen gegen Meine Bundesgenossen abzugeben[ 5]«.

Österreichischs Vorschlag zur Reform des Deutschen Bundes [ 6]:

Preußens Gegenvorschlag:

Im 15. November 1863 stirbt der dänische König Friedrich VII. Sein Nachfolger Christian IX. läßt sich vom Druck der Straße beeindrucken und wirft das Londoner Übereinkommen zu Schleswig-Holstein über den Haufen. Der Konflikt mit dem Deutschen Bund ist vorprogrammiert. Die Reform des Bundes fällt aus [ 7].


 
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Quellen:
[ 1] Hrg.: Deutscher Handelstag, Der Deutsche Handelstag 1861-1911 Bnd. 2, Berlin 1913, S. 346
[ 2] Zitiert nach www.wissen.de/lexikon/deutscher-zollverein aufgerufen am 28.10.2017
[ 3]
Deutscher Handelstag,a.a.O., S. 347
[ 4] Bernath, Mathias, Handbuch der europäischen Geschichte, Stuttgart 1981, S. 533
[ 5] Gall, Lothar, Bismarck, Berlin 2008, S. 335
[ 6] ebd.
[ 7] Clark, Christopher, Preußen, München 2008, S. 598f

 

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