Zur deutschen Geschichte
 
Unter der Schellenkappe geschrieben: Vorwort

Preußens Niederlage.

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Die französische Revolution.

Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich die Weltlage zu Ungunsten Frankreichs. Friedrich II. hatte Preußen Geltung in Europa verschafft. Die polnische Teilung erfolgte ohne Frankreichs Mitwirkung und im amerikanischen Krieg gegen England ruinierte sich Frankreich vollends. Die Entwicklung der europäischen Mächte schritt voran, während Frankreichs Schulden das Land lähmte. Die Unfähigkeit den Staat zu sanieren und die unentschiedene Politik gegenüber dem Bürgertum führte über eine Revolution, die sich das übrige Europa, aufgrund des radikalen Vorgehens gegen die Aristokratie und Kirche, zum Feind machte, zur Militärdespotie, deren erklärtes Ziel es war die verlorene Weltgeltung wieder herzustellen. Nahezu während des gesammten Umbruchs, beginnend mit der Herrschaft Ludwig XVI. über die der Republikaner bis hin zum Kaiserreich Napoleons befand sich das Land im Krieg [1].

Handel oder Händel.

Frankreich zeigte sich im zweiten Koalitionskrieg überlegen im Friede von Lunéville (9. Februar 1801) eignet es sich die linksrheinsichen Gebiete der deutschen Fürsten an und bestimmt über die territoriale Umgestaltung der deutschen Fürstentümer, sie sollen für die erlittenen Verluste durch kirchlichen Besitz (Bistümer) entschädigt werden, mit. Die süddeutschen Fürsten lassen sich von Napoleon umgarnen: die Kurfürsten von Würtemberg, Sachsen und Bayer werden zu Königen. Aus Herzögen werden Großherzöge und aus Grafen Herzöge. »Als der neue Imperator [Napoleon] mit Josephine 1804 durch die deutschen Rheingrenzländer zog, die er für Frankreich gewonnen hatte, war sein Weg eine Triumpfstraße. Hier... sah er über die gebückten Rücken der Fürsten, Diplomaten, Magistrate, die sich mit Geschenken und Ergebnisadressen an ihn drängten und mit knechtischem Phrasenschwulst ihre Huldigungen ausschütteten. In Köln spannten sich die Bürger vor seinen Wagen. Er hörte sich immer wieder als Cäsar und Kaiser Karl gefeiert... Die Münchner Zeitung frohlockte am Neujahrstag 1806: "Hoch lebe Napoleon, der Wiederhersteller des bayrischen Königtums!"[2]

Damit wurde das Heilige Römische Reich deutscher Nation zur Makulatur. Am 6.8.1806 legte Kaiser Franz II. die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder und residierte als Kaiser von Österreich weiter. Deutschland war der Arroganz seiner Fürsten erlegen.

1802 reiste der junge Zar Alexander I. zu seinem ersten Auslandsaufenthalt nach Memel (Kgr. Preußen). Hier verbrachte er zwei wundervolle Wochen. Der Zar und der König in Preußen entdeckten ihre Freundschaft zueinander, Gefühle, die stärker noch Königin Luise und den Zaren Alexander I. miteinander verbanden [3]. Auch wenn sich diese freundschaftlichen Gefühle durch den Lauf der Geschichte und sich einschleichender Mißverständnisse zeitweilig in ihr Gegenteil verkehrten, waren sie das Fundament um Napoleons Schicksal zu besiegeln. Gneisenaus Meinung: »Auf Poesie ist die Sicherheit der Throne gegründet.« Der 1802 abgeschlossene Freundschaftsvertrag mit Rußland hingegen war nur einer von vielen Verträgen der damaligen Zeit [4].

Rußland suchte bis 1804 als neutrales Land auf diplomatischem Wege sein Auskommen mit den Franzosen zu finden, köderte Napoleon doch den Zaren damit, ihn zum Schiedsrichter im europäischen Konflikt machen zu wollen [5]. Bessere Argumente hatte jedoch der brit. Premier William Pitt: Anstatt mit fragwürdigen Titeln von Napoleons Gnaden zahlte der britische Premier in harter Währung, dem Britischen Pfund, um im Frühjahr 1805 zunächst Rußland etwas später auch Österreich zum Bündnis zu bewegen [6]. Ziel des Bündnises war es, Napoleon Holland und die Schweiz zu entreißen. Im Bieten um die Gunst Preußens konnte Napoleon das brit. Angebot jedoch ausstechen. Er versprach ihm das ehemals von England aus regierte 1803 von den Franzosen besetzte Kfsm. Hannover, das dann auch 1805 (zunächst bis 1806) in preußischen Besitz überging [A].

Am 21. Okt. 1805 verlor die franz.-spanische Flotte die Schlacht bei Trafalgar. Den Plan Großbritannien zu besetzen gab Napoleon auf, stattdessen trachtete er verstärkt danach seine Macht auf dem Festland auszudehnen und gegen England eine Handelssperre zu verhängen.

Hatte Preußen sich noch unter Friedrich Wilhelm II. 1792 in den Dienst des habsburger Kaisers gestellt, um der französischen Aggression zu begegnen, dabei aber erfahren müssen, daß ihm die Lasten des Krieges aufgebürdet, die Früchte der Erfolge aber vorenthalten wurden, so baute es nun in Anlehnung an Rußland, auf eine Politik der bewaffneten Neutralität [7]. Eine Politik, die zunächst auch von seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm III. betrieben wurde.

In der Regierung Friedrich Wilhelm III. wirkten Personen deren Ansichten von frankophil (Kabinettsrat Lombard) über neutral (Haugwitz/Hardenberg) bis hin zur Befürwortung eines Krieges (Stein, Geheimrat J. v. Müller) reichten [8].

Louis Ferdinand und Louise

Für die Einnahme einer entschiedeneren Haltung gegenüber Napoleon sprachen sich zudem Königin Louise und Prinz Louis Ferdinand aus. Louis Ferdinand von Preußen besuchte mit seinem Großneffen, König Friedrich Wilhelm III. Aug. 1804 ein Manöver in Schlesien, reiste von dort zu Manövern der Österreicher in Mähren und dann weiter nach Wien und Norditalien . In seinen Briefen an König Friedrich Wilhelm III. schilderte er den Zustand der von ihm besuchten österreichischen wie französischen Heeresverbände, wobei er die österreichischen in einem besseren Licht darstellte, wie es tatsächlich der Fall hätte sein können. Der König wankte nun doch auf Seiten Österreichs in den Krieg einzutreten. Bevor er aber einen Entschluß fassen konnte, war der Krieg vorbei [9].

Österreich war in Bayern eingefallen und wunderte sich, wo die Russen blieben. Jetzt dachte man nach und erinnerte sich daran, daß man nach dem für die Russen ausschlaggebenden julianischen Kalender noch 12 Tage Zeit gehabt hätte. Napoleon schlug die Österreicher am Inn und nach seinem Sieg in der Schlacht bei Austerlitz am 2. Dez. 1805 war das Bündnis zwischen England-Österreich und Rußland obsolet.

Ein Kuraufenthalt in Bad Pyrmont Juni 1806 gab Königin Luise die Gelegenheit einige Fürsten und hochrangige Persönlichkeiten zu treffen. Unter ihnen befanden sich Herzog Karl Wilhelm von Braunschweig, Generalfeldmarschall des preußischen Heeres, Kurfürst Wilhem I. von Hessen-Kassel und der preußische Gouverneur von Westfalen, Generalleutnant von Blücher. Die Entschiedenheit Blüchers, der drauf und dran gewesen war, die Provokationen und Grenzverletzungen durch Napoleons Schwager, des Großherzogs von Berg, Joachim Mürat, militärisch zu begegnen - vom König jedoch im letzten Moment zurückgepfiffen wurde - mußte die Königin nachhaltig beeindruck haben. Sie erhob sich über den preußischen Kleinmut und stärkte damit das Vertrauen der Soldaten in die eigene Kraft. Die Königin begriff sich zunehmend als politische Königin, sah ihren Intellekt dem des Königs gleichwertig, blieb aber nichts desto weniger auf die Stärkung der Position des Königs wie auch ganz Preußens bedacht [10].

Das Kabinett...

Als Preußen entgegen des Freiherrn vom Steins Vorstellungen nach Austerlitz ein Bündnisvertrag mit Frankreich unterzeichnete, platzte diesem der Kragen und er forderte die Entlassung der königlichen Entourage. In einer Denkschrift [11] [12]an den König sagte er u.a. über den

...und das Ergebnis

Österreich und Rußland schlossen mit Napoleon einen Friedensvertrag und auch England suchte mit Frankreich sein Auskommen, bot ihm das Kfsm. Hannover an (was das Vertrauen Preußens, das nun in Hannover regierte, in die brit. Politik nicht gestärkt haben dürfte). Preußen stand allein und ward genötigt seine Aufmerksamkeit nicht mehr dem im Ausland stattfindenden Schauspiel sondern seinen eigenen Interessen zu widmen.

Es machte mobil und stellte Frankreich ein Ultimatum. Frankreich sollte seine Truppen hinter den Rhein zurückziehen und seine Opposition gegen die Gründung eines Norddeutschen Bundes aufgeben.

Napoleon: »Der Gedanke, Preußen könne sich allein mit mir einlassen, erscheint mir so lächerlich, daß er gar nicht in Betracht gezogen zu werden verdient [13] Deshalb bot er an, seine Truppen aus Westfalen abzuziehen, wenn Preußen die Mobilisierung aufhebe [14].

Am 10. Okt. 1806 rückten die Franzosen bei Saalfeld vor, die preußische Hauptarmee von ihren Versorgungsrouten abzuschneiden. Prinz Louis Ferdinand von Preußen griff mit der Avantgarde der Armee Hohenlohe in aussichtsloser Lage an, mußte zum Rückzug blasen lassen und verlor bei einem Gefecht, den Rückzug seiner Soldaten zu deckend, sein Leben [15] [16].

Bei Jena und Auerstedt erwartete das untereinander zerstrittene Heer von Preußen und Sachsen die Franzosen. Die kühnen Pläne Scharnhorsts wurden von Oberst Massenbach ignoriert. Der anwesende König überläßt dem Herzog von Braunschweig und dem Fürsten von Hohenlohe das Kommando. Mangelnde Aufklärung, zögerliches Handeln und eine antiquierte Gefechtsführung sorgten für die Niederlage Preußens [17] [18]. Napoleon in einem Brief an Lannes: »Es ist unbegreiflich, wie der Herzog von Braunschweig, den man doch für talentvoll hält, so lächerliche Operationen anordnen kann [19]

Der König, die Königin, Offiziere und Soldaten flohen. Die Niederlage in der Schlacht von Jena und Auerstedt brachte die erstarrten Strukturen Preußens zum Einsturz. Es trennte sich die Spreu vom Weizen. Königin Luise schrieb dem König am 20. Okt. 1806: » ...12000 Bürger wollen sich bewaffnen und 1500 von den Vornehmsten sind ebenfalls bereit, ...für Dich zu fechten, wo Du willst ...es ist unbeschreiblich ...alles steht auf um Dich zu schützen. Benutze die Gelegenheit ... Nur um Gottes Willen keinen schändlichen Frieden! Der Augenblick ist kostbar, handle, wirke, schaffe... [20]«

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Bezüge:

[A] Carl von Clausewitz: »Der Krieg ist unter allen Umständen als kein selbständiges Ding, sondern als ein politisches Instrument zu denken. Nur mit dieser Vorstellungsart ist es möglich, nicht mit der sämtlichen Kriegsgeschichte in Widerspruch zu geraten. Der Krieg gehört nicht in das Gebiet der Künste und Wissenschaften, sondern in das Gebiet des sozialen Lebens. Er ist ein Konflikt großer Interessen, der sich blutig löst, und nur darin ist er von den anderen verschieden. Besser als mit irgendeiner Kunst ließe er sich mit dem Handel vergleichen, der auch ein Konflikt menschlicher Interessen und Tätigkeiten ist, und viel näher steht ihm die Politik, die ihrerseits wieder als eine Art von Handel in größerem Maßstabe angesehen werden kann [21]

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Quellen:
[ 1] von Ranke, Leopold, Preußischer Geschichte, Hamburg 2010, S. 34ff
[ 2] Borkowsky, Ernst, Deutscher Frühling 1813, Berlin 1912, S. 38f
[ 3] Platthaus, Andreas, 1813 Völkerschlacht und Ende der alten Welt Hamburg 2013 S.39
[ 4] Oster, Uwe, Der preußische Apoll, Regensburg 2003, S. 240f
[ 5] ebd. S.218
[ 6] Borkowsky, Ernst a.a.O. S. 35
[ 7] Borkowsky, Ernst a.a.O. S. 42
[ 8] Oster, Uwe a.a.O. S. 219
[ 9] ebd. S. 221
[10] http://www.koenigin-luise.com, Die Politikerin - Luise mischt sich ein, Aufgerufen am 16.04.2016
[11] Oster, Uwe a.a.O., S. 257
[12] Clark, Christopher, Preußen - Aufstieg und Niedergang München 2008, S. 353f
[13] Oster, Uwe a.a.O. S. 259f
[14] ebd. S. 269
[15] ebd. S. 273ff
[16] https://www.preussen.de/de/geschichte/1797_friedrich_wilhelm_iii./prinz_louis_ferdinand_von_preussen.html Aufgerufen am 18.01.2016
[17] Borkowsky, Ernst a.a.O. S. 54ff
[18] Knoll, Stefan, Preußen Ein Beispiel für Führung und Verantwortung Berlin 2010 S. 111
[19] Borkowsky, Ernst a.a.O. S. 56
[20] Engel, Hans Joachim, Preußische Geschichte / Heft II - 2010, S. 9
[21] Clausewitz, Carl von, Grundgedanken zu Krieg und Kriegführung Leipzig 1915, S. 6

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